Schenken ist kein Geschäft

2016-07-15 schenken-ist-kein-geschaeft v01

Vor einigen Jahren habe ich das Buch Edgy Conversation von Dan Waldschmidt gelesen, das voller scharf formulierter Tipps und Weisheiten für ein erfülltes und produktives Leben steckt. Ein einfacher Satz und seine Moral ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben.

Giving is not trading.

Etwas zu verschenken ist nur dann aufrichtig, wenn man nichts im Gegenzug erwartet. Sobald man eine Gegenleistung erwartet, sei es ein bestimmtes Verhalten wie Dankbarkeit, bezieht man den Empfänger ungefragt in ein Tauschgeschäft ein. Ich finde das bei genauer Betrachtung bestechend logisch habe es aber vor der Lektüre des Buches unterbewusst noch nie so gesehen. Es ist schließlich normal und üblich, von einer beschenkten Person Dankbarkeit zu erwarten. Je mehr man als Gegenleistung erwartet, desto weniger bleibt von der Natur des Schenkens übrig.

Frankly. It can’t be about you. If it were about you, it would be called „getting“. Which isn’t even close to the idea of giving.

Ein zweiter wichtiger Aspekt des Schenkens ist ebenfalls logisch aber nicht trivial. Schenken ist mit Kosten verbunden. Etwas zu verschenken, das keinen Wert für einen selbst hat, ist kein Geschenk. Entsorgen wäre ein passender Begriff. Dafür Dankbarkeit zu erwarten ist fast schon grotesk. Doch diesen Reflex beobachte ich bei mir selbst und vielen Menschen in meinem Umfeld. Es wäre aufrichtiger selbst dankbar dafür zu sein, dass man Ballast losgeworden ist.

Giving costs you something.
It’s not giving if there is no value to what is given. Just because I give you something doesn’t mean it’s a gift.

Je größer das Geschenk sein soll, dass man jemandem geben möchte, desto mehr sollte es einen selbst kosten. Schenken ist eine Geste von einem selbst zu einem anderen Menschen. Kosten müssen nicht zwangsläufig monetär sein. Es kann sich um einen Gegenstand handeln, der eine enorme Bedeutung für einen selbst hat. Für sehr beschäftigte Menschen kann es eine der größten Geschenke sein, Zeit und Aufmerksamkeit zu verschenken. Aber egal wie groß und bedeutend das Geschenk ist, man sollte sich immer an die selbstlose Natur des Schenkens erinnern.

Giving expects nothing in return.

Bildquelle: Annie Spratt via Unsplash

Guter Kaffee

2016-07-14 guter-kaffee v01

Der Besuch eines Kaffeeseminars vor einigen Jahren, hat meine Einstellung zu der Zubereitung und der Qualität von Kaffee grundlegend verändert. Kaffee ist ein gesundes Getränk, dass man genüsslich und maßvoll genießen sollte. Guter Kaffee ist nicht bitter sondern aromatisch und schmeckt auch kalt. Je nach Kaffeebohne und Röstung entfaltet Kaffe, wie Wein, ein breites Spektrum an Geschmacksnoten.

Dabei muss man Kaffee nicht mit Milch verdünnen oder gar mit Zucker gefällig und eintönig machen. Es ist jedem selbst überlassen die Sorte Kaffee zu finden, der einem geschmacklich besonders zusagt. Als Belohnung erhält man ein kalorienarmes, aromatisches, wärmendes und durch das Koffein anregendes Getränk. Ein nahezu optimales Genussmittel. Nachvollziehbarer Weise ist schwarzer Kaffe, so wie Wein, Bier oder Käse, kein Produkt das man sofort mögen wird. „It’s an acquired taste“. Wenn man sich darauf einlässt und mehrere Varianten ausprobiert gibt es jedoch meines Erachtens wenige Menschen, die nicht auf den Geschmack kommen.

Um guten Kaffee zuzubereiten, braucht man nicht viel und es muss nicht aufwändig sein. Da die aromatischen Bestandteile in Kaffee Öle sind, ist die frische enorm wichtig. Nach der Röstung wird der Kaffee langsam aber sicher ranzig und der damit zubereitete Kaffee schmeckt irgendwann bitter. Optimal ist es daher frische Bohnen erst unmittelbar vor der Zubereitung zu mahlen, dazu genügt auch eine Handmühle. Die für mich einfachste und beste Brühmethode ist die Impress, die so ähnlich wie der Bodum-Kaffebereiter funktioniert. Aber auch mit einem einfachen Kaffeefilter lässt sich ohne viel Aufwand hervorragender Kaffee zubereiten. Ich würde jedem Kaffeetrinker empfehlen, sich mit dem Thema Kaffee näher zu beschäftigen und sich an schwarzen Kaffee heranzutasten. Ein guter Ausgangspunkt dafür ist die Firma Coffee Circle, die im Laufe der Zeit viel Kaffeewissen zusammengetragen hat und qualitativ guten Kaffee anbietet.

Bildquelle: Andrew Welch via Unsplash

Gladwell’s 10.000 Stunden

2016-07-13 gladwells-10000-stunden v01

Expect anything worthwhile to take a long time.
Debbie Millman

In seinem Buch Outliers beschreibt Malcolm Gladwell die berühmten 10.000 Stunden Übung die es einer Studie nach benötigt, bis jemand in einer Disziplin hervorragende Leistungsfähigkeit entwickelt. Seitdem ist diese Zahl zum geflügelten Wort geworden, um zu beschreiben, dass Übung den Meister macht. Ausgangspunkt dafür diese Zahl sind Studien, die sich mit dem Hintergrund von besonders erfolgreichen Menschen in verschiedensten Gebieten beschäftigt haben. Gladwell führt dabei die Studie von Violinisten an einer Musikschule in Berlin an. Sie kamen zu dem Ergebnis, das die Anzahl der Stunden Übung und Erfahrung bei besonders guten Violinisten deutlich über denen von mittelmäßigen Studenten lagen. 10.000 Stunden entspricht dabei ungefährt 3 Stunden Übung pro Tag oder 20 Stunden pro Woche über 10 Jahre.

Menschen wollen bekanntermaßen Sicherheit und so haben inzwischen andere Studien gezeigt, dass in vielen Fällen 10.000 Stunden nicht ausgereicht haben und in anderen Fällen gar nicht erst notwendig waren. Doch um Details und exakte Zahlen geht es hier natürlich nicht. Gladwell selbst hat bereits betont, dass es um das grundlegende Prinzip dahinter geht. Das sehe ich genauso. James Clear beschreibt in einem Artikel über den Basketballer Cobe Bryant sehr anschaulich, wie unglaublich diszipliniert und ehrgeizig Weltklasseathleten oftmals trainieren. Ähnliche Geschichten gibt es zu Micheal Jordan, Tiger Woods und vielen anderen Leistungsträgern. Training allein ist gerade im Sport zwar keine Garantie für Weltklasse-Erfolge aber es ist eine Grundvorraussetzung die jeder Weltklasseathlet perfektioniert hat. Viele Menschen wünschen sich den gleichen Erfolg aber vergessen, wie viel Zeit und Mühe hinter diesen Fähigkeiten stecken. Die Lösung ist natürlich nicht aufzugeben, sondern sich zu entscheiden und sich langsam aber stetig auf den Weg dahin zu machen.

Bildquelle: Providence Doucet via Unsplash

Tony Robbin’s Six Human Needs

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Auf dem Gebiet der Motivation ist Tony Robbin’s seit Jahrzehnten ein Megastar, der kontinuierlich Seminare veranstaltet, Bücher schreibt und Weltstars coached. Der Kern von Motivation sind menschliche Emotionen und daher lohnt es sich aufzuhorchen, wenn Tony Robbins die seiner Erfahrung nach 6 wichtigsten menschliche Bedürfnisse formuliert, die er im Laufe seiner Arbeit beobachtet hat.

Die 6 menschlichen Bedürfnisse:

  1. Sicherheit: die Gewissheit Leid vermeiden und Freude erfahren zu können
  2. Abwechslung: der Wunsch nach Unbekanntem, nach Veränderung und neuen Eindrücken
  3. Anerkennung: das Gefühl einzigartig, wichtig und besonders zu sein oder gebraucht zu werden
  4. Gemeinschaft/Liebe: ein starkes Gefühl der Nähe und Verbundenheit mit jemandem oder etwas
  5. Entwicklung: die Steigerung der eigenen Möglichkeiten, Fähigkeiten und Sachverstand
  6. Mitwirkung: das Gefühl etwas beizutragen, Anderen zu helfen, zu unterstützen und etwas abzugeben

Es lohnt sich diese Bedürfnisse stets im Auge zu behalten, sowohl als Grundlage für sich selbst und seine eigene Lebensplanung als auch in Bezug auf die Verhaltensweisen und Motivationen anderer Personen. Robbin’s beschreibt das in seinem TED-Talk Why we do what we do. Besonders dort wo die Grundbedürfnisse wie körperliche Unversehrtheit und Sicherheit gegeben sind, spielen diese sechs Faktoren eine wichtige Rolle auf dem Weg zu einem erfüllten Leben.

Bildquelle: Tony Robbin’s TED-Talk

iPhone Fotos Herz-Markierung

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Eine sehr nützliche Funktionen für Fotos auf dem iPhone ist die Möglichkeit der Markierung mit einem Herz. Auf den ersten Blick mag das unspektakulär klingen aber gewöhnt man sich daran, gute Fotos sofort mit einem Herz zu markieren, entsteht ganz automatisch im Album Favoriten eine Zusammenstellung voller Highlights und schöner Erinnerungen.

Wie so oft muss man erst die Gewohnheit entwickeln, sofort das Herz zu drücken, wenn man ein Foto mag. Ich habe manchmal noch den Reflex mir einzureden, dass ich irgendwann mal sorgfältig durch alle Fotos gehen werde und die besten in einem Fotobuch oder ähnlichem zusammenfasse. Zumindest in den letzten 10 Jahren ist mir das noch nicht gelungen. Doch die langsam aber stetige Markierung mit Herzen ist ein tolles System, um Stück für Stück einen schönen Fundus aufzubauen, an dem man sich immer wieder erfreuen kann.

Übrigens nutze ich die Herz-Funktion auch wenn ich schnell eine kleine Auswahl an Fotos markieren möchte, um sie kurz darauf mit einer Person zu teilen. Jedes auf diese Weise markierte Bild findet sich dann in chronologischer Reihenfolge im Album Favoriten wider und kann von dort markiert und verschickt werden. Danach entferne ich das Herz durch erneutes Drücken. Das geht bei kleinen Mengen Fotos schneller, als das Hinzufügen zu einem Album.

Fixed vs Growth Mindset

2016-07-10 fixed-vs-growth-mindset v01

Der wahrscheinlich relevanteste Unterschied in der Denkweise von Menschen ist der Unterschied zwischen einem statischen Selbstbild (Fixed Mindset) und einem dynamischen Selbstbild (Growth Mindset). Carol Dweck hat diese Begriffe in ihrem Buch Mindset bekannt gemacht, das hier bei Brainpickings hervorragend beschrieben wird. Menschen mit einem Fixed Mindset sehen ihre Fähigkeiten und Intelligenz als etwas Gegebenes mit festen Grenzen an. Sie scheuen Herausforderungen, unsicheres Terrain und Kritik, da Scheitern als Bestätigung der eigenen Limitierungen angesehen wird. Menschen mit einem Growth Mindset hingegen erkennen in Herausforderungen die sich dadurch bietenden Lernmöglichkeiten. Sie sehen ihr Wissen und ihre Fähigkeiten als steigerbar an, insbesondere in Abhängigkeit von ihrem persönlichen Einsatz.

When you enter a mindset, you enter a new world. In one world — the world of fixed traits — success is about proving you’re smart or talented. Validating yourself. In the other — the world of changing qualities — it’s about stretching yourself to learn something new. Developing yourself.

In one world, failure is about having a setback. Getting a bad grade. Losing a tournament. Getting fired. Getting rejected. It means you’re not smart or talented. In the other world, failure is about not growing. Not reaching for the things you value. It means you’re not fulfilling your potential.

In one world, effort is a bad thing. It, like failure, means you’re not smart or talented. If you were, you wouldn’t need effort. In the other world, effort is what makes you smart or talented.

Die beiden Denkweisen haben im Alltag erhebliche Auswirkungen, die sich in vielen erkennbaren Charaktereigenschaften von Menschen widerspiegeln. Seit ich von ihnen gehört habe, sehe ich sie an diversen Menschen in meinem Umfeld immer wieder bestätigt. Besonders ein Fixed Mindset kann manch ungünstige Verhaltensweisen erklären:

  • Angst vor Prüfungen. Jede Prüfungssituation ist für Fixed Mindset Menschen mit großem Stress verbunden. Werde ich scheitern? Werde ich mich lächerlich machen? Reichen meine Fähigkeiten aus, um von den anderen akzeptiert zu werden?
  • Risiko und Herausforderung scheuen. Fixed Mindest Menschen vermeiden Unsicherheit, da diese unterbewusst als Möglichkeit für Blamage angesehen werden.
  • Sich beweisen müssen. Fixed Mindset Menschen neigen dazu ihre Leistungen hervorzuheben und Fehler herunterzuspielen, bis hin zur Unaufrichtigkeit. Da Fehler und Scheitern als unveränderbares Zeichen für persönliche Schwäche gelten, hängt ihr Selbstbewusstseins eng an den Leistungen.
  • Beziehung in Frage stellen. Fixed Mindset Menschen erwarten von ihren Partnern oft sehr viel. Aufgrund der gefühlten Unveränderbarkeit des Charakters stellt jede Herausforderung und jede Meinungsverschiedenheit innerhalb der Beziehung ein existentielles Problem dar, das die ganze Beziehung in Frage stellt.

What she found was that those with a fixed mindset were only interested in hearing feedback that reflected directly on their present ability, but tuned out information that could help them learn and improve. They even showed no interest in hearing the right answer when they had gotten a question wrong, because they had already filed it away in the failure category.

Those with a growth mindset, on the other hand, were keenly attentive to information that could help them expand their existing knowledge and skill, regardless of whether they’d gotten the question right or wrong — in other words, their priority was learning, not the binary trap of success and failure.

Die gute Nachricht ist, dass diese Verhaltensweisen erlernbar sind, nur leider werden die Weichen dazu schon in frühester Kindheit gestellt. Um so wichtiger ist sie bei der Erziehung der eigenen Kinder im Hinterkopf zu haben. Neben dem exzellenten und umfangreichen Artikel auf Brainpickings, gibt es einen TED-Talk von Carol Dweck, in dem sie besonders ihre Studien und Erfahrungen mit High School Schülern beschreibt.

Bildquelle: Nigel Holmes

Antifragile

2016-07-09 antifragile v01

Anything that has more upside than downside from random events (or certain shocks) is antifragile.

Ein Buch, das mein Blick auf die Welt sehr stark verändert und geprägt hat ist Antifragile von Nassim Taleb. Es steckt voller praktisch relevantem Wissen und guten Gedanken. Taleb selbst beschreibt es als Quintessenz aus dem kombinierten Wissen seiner vorherigen Bücher The Black Swan und Fooled by Randomness, die sich vor allem mit der Auswirkung von Statistik auf verschiedenste Lebensbereiche beschäftigen und ebenfalls oft gelobt werden. Als Antifragil beschreibt er den Zustand, dass etwas durch angemessen dosierten Stress besser wird. Es ist die Fortsetzung der Kette fragil-robust-antifragil.

  • Fragile Dinge, wie eine Porzellanvase, sollten möglichst keinem Stress ausgesetzt werden, da sie sonst umgehend kaputt gehen.
  • Robuste Dinge, wie eine Steinmauer, sind sehr widerstandsfähig und halten viel Belastung aus aber über einen langen Zeitraum führt Stress, z.B. Wettereinflüsse, zur Beschädigung und ultimativ zum Untergang des Objekts.
  • Antifragile Dinge, wie ein Muskel, werden durch Beanspruchung in gewissen Rahmen besser. Ohne regelmäßige Beanspruchung – und damit leichte Schädigung – wird ein Muskel schwächer und damit anfällig für Verletzungen.

Diese Idee lässt sich bei genauerer Betrachtung auf verschiedenste Bereiche anwenden, z.B. politische Systeme, Ideen, Unternehmen, Industrien, Psychologie und vieles mehr und eröffnet erstaunlich neue Perspektiven. Hormesis und regelmäßiger Sport sind Beispiele dafür, die Taleb explizit in seinem Buch beschreibt.

Das Buch beschreibt darüber hinaus verschiedenste Irrtümer und ungünstige Verhaltensweisen, zu denen Menschen neigen. Dinge wie Neomanie, dem Irrglauben, dass etwas Neues besser sein ist als etwas Altbewährtes; Iatrogenics, dem Schaden, der bei dem Versuch etwas zu heilen verursacht wird; Narrative Fallacy und Cherry Picking, der Angewohnheit Beobachtungen unbedingt erklären zu wollen und bei dem Erklärungsversuch die Fakten so zu lesen, bis es in die Geschichte passt. Aber es werden auch viele Methoden an die Hand gegeben, solche Probleme zu vermeiden. Methoden wie Heuristik, das Verlassen auf Altbewährtes, ohne die Funktionsweise zwangsläufig erklären zu müssen; Via Negativa, eher Dinge weglassen, die man klar als falsch erkennt, als Dinge hinzuzufügen deren Nutzen nicht sicher ist; Flanieren, Entscheidungen opportunistisch treffen und Gelegenheiten neuer Informationen aktiv nutzen.

Man bekommt einen guten ersten Einblick in das Buch, wenn man die Notizen von Derek Sivers zu Antifragile liest. Ein von Taleb selbst geschriebener WSJ-Artikel mit dem Titel Learning to Love Volatility (hier über Google aufrufen, um die Paywall zu umgehen) zeigt wie technisch er manchmal wird. Hier noch ein Artikel aus der Süddeutschen. Jedoch würde ich jedem die Lektüre des Buches ans Herz legen, da man meines Erachtens etwas Zeit benötigt, um die Konzepte darin angemessen wertschätzen zu können.

Bildquelle: Auszug aus dem Buchcover

Typ 1 und Typ 2 Entscheidungen

2016-07-08 typ-1-und-typ-2-entscheidungen v01

Manchmal fällt es schwer Entscheidungen zu treffen, insbesondere wenn man sich der Konsequenzen nicht sicher sein kann. Nun ist gerade Sicherheit bei einem Großteil wichtiger Entscheidungen nicht vergönnt. Eine gute Erinnerung daran, dass es dabei jedoch Abstufungen zu berücksichtigen gibt, liefert Amazon Chef Jeff Bezos in einem Brief an die Aktionäre.

Some decisions are consequential and irreversible or nearly irreversible – one-way doors – and these decisions must be made methodically, carefully, slowly, with great deliberation and consultation. If you walk through and don’t like what you see on the other side, you can’t get back to where you were before. We can call these Type 1 decisions.

Typ 1 Entscheidungen sind also solche, die nur sehr schwer oder gar nicht rückgängig zu machen sind und daher nur methodisch und mit sorgfältiger Beratung und Analyse getroffen werden sollten.

But most decisions aren’t like that – they are changeable, reversible – they’re two-way doors. If you’ve made a suboptimal Type 2 decision, you don’t have to live with the consequences for that long. You can reopen the door and go back through. Type 2 decisions can and should be made quickly by high judgment individuals or small groups.

Hier liegt der Knackpunkt. Die meisten Entscheidungen  sind bei genauer Betrachtung nicht unumkehrbar. Wenn man die Konsequenzen nicht mag, gibt es einen Weg zurück. Damit ist nicht gemeint, dass alle spurlos verlaufen muss. Ohne Frage kann eine ungünstige Entscheidung Zeit oder Geld kosten und mit Unannehmlichkeiten verbunden sein. Doch fast immer gehen auch positive Seiten wie Lernerfahrung und neue Erkenntnisse damit einher. Solange etwas prinzipiell Rückgängig zu machen ist, muss man sich nicht davor scheuen es zu versuchen und ein Risiko einzugehen. Bezos bezieht das besonders auf das Unternehmensumfeld, wo auch nach meiner Beobachtung große Unternehmen dazu neigen, Sicherheit zu fordern und Fehler um jeden Preis vermeiden zu wollen.

As organizations get larger, there seems to be a tendency to use the heavy-weight Type 1 decision-making process on most decisions, including many Type 2 decisions. The end result of this is slowness, unthoughtful risk aversion, failure to experiment sufficiently, and consequently diminished invention. We’ll have to figure out how to fight that tendency.

Mehr zu diesem Thema: Jeff Bezos: There are 2 types of decisions to make, and don’t confuse them (Business Insider)

Bildquelle: Hans Braxmeier via Pixabay

Go First

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Im Tim Ferriss Podcast empfiehlt Gabby Reece an einer Stelle die generelle Grundeinstellung „Go First!„. Du erkennst jemanden auf der Straße: sage „Hallo“ zuerst. Du hast Augenkontakt mit einem Fremden: lächle zuerst. Du siehst etwas, das nicht richtig ist: sprich es aus. Du siehst jemand, der traurig ist: sage ein paar tröstende Worte.

Go First – Mache den ersten Schritt!

Meine Mutter ist darin unglaublich gut. Ich erinnere mich an eine Situation bei einem Arzt. Wir saßen in einem vollen Wartezimmer und schräg gegenüber eine Frau, der Tränen über das Gesicht liefen, die sie sich regelmäßig wegwischte. Ich sah es, auch andere erkannten die Situation, und ich fühlte eine unangenehme Spannung. Ich glaube, vielen geht es gleich. Man möchte zwar etwas tun, aber man redet sich ein, man könne ja eh nichts ausrichten. In der Sekunde, in der meine Mutter realisiert, dass die Frau weint, sucht sie zügig ein Taschentuch aus Ihrer Tasche, geht zu der Frau, gibt ihr mit einem freundlichen, mitfühlenden Lächeln das Taschentuch in die Hand, setzt sich kurz neben sie und legt den Arm leicht um sie. Die Frau fängt an zu lächeln und ist sichtlich berührt.

Es hat mich in dem Moment wie eine Keule getroffen. Natürlich kann man etwas machen! Man kann vielleicht den Grund des Schmerzes nicht beseitigen, aber man kann trösten, vorsichtig Anteil nehmen, zeigen dass es einem nicht egal ist. Wir sind alle Menschen und es macht einen gewaltigen Unterschied, ob man Teil einer anonymen, passiven Masse ist oder etwas tut. Ein Versuch reicht schon aus. Go First! Die Worte helfen mir, mich daran zu erinnern. Seitdem lächle ich leicht, wenn ich Menschen auf der Straße in die Augen blicke – tatsächlich lächeln viele, wenn nicht gar die meisten, zurück. Wenn ich auf der Straße Personen erkenne, z.B. weil ich sie auf dem Weg zur Arbeit regelmäßig treffe, beginne ich zu grüßen, lächle und nicke ihnen freundlich zu. Nach kurzer Zeit, fängt man an, sich regelmäßig zu grüßen. Ich probiere den ersten Schritt zu machen. Es sind kleine aber herzliche Gesten. Es macht einen Unterschied und es macht tatsächlich Freude.

Bildquelle: Nancy Byer via Magdeleine

Derek Sivers

2016-07-06 derek-sivers v01

Es gab eine Zeit, da ist mir Derek Sivers mehrfach online über den Weg gelaufen, ohne dass ich ihn besonders wahrgenommen habe. So sah ich einst seinen TED-Talk How to start a movement, der auf äußerst witzige Art zeigt, dass Führung mit Mut und dem Risiko sich lächerlich zu machen einhergeht. Als nächstes wurde mehrfach die hervorragend geschriebene Bestellbestätigung eines Online-Shops erwähnt, die zeigt, wie man mit nur geringfügig mehr Mühe und Einfallsreichtum aus einem gewöhnlichen Vorgang ein unglaublich erfolgreiches Ergebnis erzielen kann. Erst als er auf der Bühne des World Domination Summits in Portland ein paar Lerneffekte aus seinem Leben berichtete, habe ich den Namen bewusst abgespeichert.

Viele Menschen kennen Derek Sivers, weil er in den USA die Firma CD Baby, einen Musikvertrieb für Independent Music, gründete und nach ein paar Jahren für zig Millionen Dollar verkaufte. Das Geld hat er größtenteils für gemeinnützige Zwecke gespendet und lebt seitdem abschnittsweise in verschiedenen Ländern und schreibt sein Blog. Das geniale an ihm ist, wie außergewöhnlich lässig, sympathisch und im Kern intelligent er damals seine Firma betrieben hat. Er beschreibt das ausführlich in seinem Buch Anything You Want, dass ich jedem Unternehmer 1 nur dringend empfehlen kann.

Einen guten Einblick in seine Denkweise bekommt man in seinem sehr gelungenen Interview mit Tim Ferriss. Auch sein Blog ist sehr empfehlenswert. Dort stellt er unter anderem seine Notizen aus vielen Büchern zu persönlich Weiterbildung bereit. Gerade wenn man ein Buch davon schon gelesen hat, ist die kurze Lektüre seiner Notizen eine praktische Auffrischung des Inhalts.

Bildquelle: Derek Sivers Blog


  1. In diesem Kontext würde ich noch das Buch REWORK von Jason Fried, dem Unternehmer hinter Basecamp, empfehlen, das ebenfalls eine erfrischende und lehrreiche Sicht auf Unternehmensführung bietet.