Design Thinking

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Der Begriff Design Thinking läuft mir schon seit längerer Zeit über den Weg, zuletzt auf der Seite des Experience Institutes, der Bildungseinrichtung, die aus Victor Saad’s Leap Year Project hervorgegangen ist. Das Experience Institute arbeitet unter anderem mit der amerikanischen Firma IDEO unter der Standford d.school zusammen, zwei Namen die ebenfalls eng mit Design Thinking verknüpft sind. Bei genauerer Betrachtung stellte sich heraus, dass die d.school eine Einrichtung des Hasso Plattner Instituts ist und ihren Hauptsitz in Potsdam hat. So war ein Open House Day dort eine gute Gelegenheit für mich, mehr über das Thema Design Thinking zu erfahren.

“Design thinking is a human-centered approach to innovation that draws from the designer’s toolkit to integrate the needs of people, the possibilities of technology, and the requirements for business success.” —Tim Brown, president and CEO IDEO

An dieser Definition von Design Thinking kann man schon erkennen, dass es sich um einen recht lose definierten Begriff handelt. Ich würde es so beschreiben: Design Thinking ist eine von Designern inspirierte Methode, um Ideen zu generieren und Probleme zu lösen. Man setzt dabei auf Zyklen von Ideenfindung, Prototyping und Feedback-Sammeln (Fail Fast/Iterate). Schwerpunkte liegen auf Arbeit im Team, kreativen Brainstorming- und Prototyping-Techniken und engen Zeitvorgaben für die unterschiedlichen Phasen. Die User Experience steht im Mittelpunkt der Betrachtung, fast alles ist erlaubt, stets wird das große Ganze betrachtet und die Fragestellung kritisch hinterfragt und feinjustiert.

Nachdem ich an einer typischen Beispielübung teilgenommen haben, kann ich bestätigen dass Design Thinking beeindruckt und Spaß macht. Tatsächlich werden eine Vielzahl von Ideen generiert, wobei die Machbarkeit und die Lösung des Kernproblems stets im Fokus bleibt. Die Methode passt zu Millenials und Startup-Kultur. So bin ich zuversichtlich, dass diese Methode in den nächsten Jahren noch viel Fahrt gewinnen wird und es nicht schaden kann, Design Thinking z.B. im Studium oder für Fortbildungen im Hinterkopf zu behalten. Weitere Informationen zu der Umsetzung in der Praxis kann man unter anderem der Seite www.whatisdesignthinking.org entnehmen.

Bildquelle: Design Thinking for Educators

Marshmallow-Experiment

2016-06-10 marshmallow-experiment v01

Das Stanford Marshmallow Experiment ist ein herrlich anschauliches Beispiel dafür, dass es sich auszahlen kann Geduld zu haben. In den 60er-Jahren wurden eine Reihe von Tests durchgeführt, bei denen man Kindern einen Marshmallow gab, zusammen mit dem Zusage einen Zweiten zu erhalten, wenn sie mit dem Verzehr noch etwas warten würden. Die Kinder wurden dann, zusammen mit dem Marshmallow, alleine gelassen. Nun wurde die Zeit gemessen, die das Kind auf die Rückkehr des Wissenschaftlers warten konnte.

In nachfolgenden Studien stellte sich heraus, dass Kinder die länger durchhielten, später im Leben in vielen Messkriterien, z.B. akademischen Erfolg, Body-Mass-Index und anderen Messgrößen der Lebensqualität, besser gestellt waren als die Impulsesser. Daraus wurde geschlussfolgert, dass die Fähigkeit durchzuhalten für eine in Aussicht gestellten Belohnung (im Fachjargon Belohnungsaufschub und im englischen Delayed Gratification) eine relevante Fähigkeit für den persönlichen Erfolg darstellt.

Ich finde das plausibel. Bei vielen lohnenswerten Vorhaben, z.B. gesunder Ernährung, Sport, persönliche Finanzen, Beziehungen, gibt es Phasen der Entbehrung, die nachvollziehbar wichtig für den späteren Erfolg sind. Wem es schwer fällt durchzuhalten, dem Entgehen oftmals die langfristigen Vorteile.

Ein herrlich amüsantes Video einer nachgestellten Marshmallow-Studie, durch das ich vor vielen Jahren überhaupt nur von dem Experiment erfahren habe, findet sich hier:

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Bildquelle: IGNITER MEDIA

Systeme statt Ziele

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Jeder kennt den guten Rat erfolgreicher Menschen, sich – um Erfolg zu haben – hohe Ziele zu setzen. Auch wenn ich das prinzipiell nicht falsch finde1, sehe ich den Grund für Erfolge eindeutig an anderer Stelle, nämlich in Systemen. Je mehr ich darauf achte, desto mehr Bestätigung finde ich dafür.

Scott Adams (Autor der Dilbert Comics) beschreibt im Gespräch mit Tim Ferriss den Aspekt von „Goals vs. Systems“ besonders gut und geht in einem Blogartikel noch weiter darauf ein. Statt sich ein sehr konkretes Ziel zu setzen, empfiehlt er sich ein zum Ziel passendes System zu überlegen, das

  1. einen in Richtung des Ziels bringt und – jetzt kommt ein Knackpunkt –
  2. auch wenn man das Ziel zunächst nicht erreicht seinen Zustand schon deutlich verbessert.
  3. Anders als ein typischerweise starres Ziel, sollte das System dynamisch aufgesetzt sein, so dass es sich weiter entwickelt und immer bessere Resultate erzeugt.
  4. Ein System hat weiterhin den Vorteil, dass es die Methode zur Zielerreichung automatisch mit sich bringt und
  5. es frühzeitig Erfolge produziert, da jede Einhaltung des Systems als Erfolg gewertet werden kann und nicht nur die (einmalige und weit in der Zukunft liegende) Zielerreichung.

Im Podcast bringt Scott Adams ein humorvolles und einprägsames Beispiel, indem er den Unterschied zwischen sich selbst und einem Freund in jungen Jahren beim Umgang mit Frauen beschreibt. Natürlich hatten beide das Ziel, eine Partnerin zu finden. Scott wartete darauf, sich unsterblich in eine bestimmte Person zu verlieben, um dann – nach langen Qualen und Herzschmerzen – den Mut zusammenzunehmen sie anzusprechen. Das endete typischerweise mit einem gebrochenen Herzen, weil prompt dieses Mädchen entweder schon vergeben war oder schlicht kein Interesse an ihm hatte. Same old Story.

Sein Freund nutzte dagegen ein System. Auf Parties sprach er Mädchen der Reihe nach in absteigender Reihenfolge der Attraktivität an. Was auf den ersten Blick oberflächlich klingt ist ein erfolgsversprechendes System um (1.) Übung im Flirten zu bekommen, (2.) Erfahrungen mit unterschiedlichen Charakteren von Frauen zu sammeln, (3.) nicht selbst einschätzen zu müssen, ob ein Mädchen zu attraktiv für einen selbst ist und man überhaupt „Chancen hat“ und vor allem (4.) optimal vorbereitet zu sein (durch Übung), wenn man sich unsterblich in eines der Mädchen verliebt. Das System klingt auf den ersten Blick nicht romantisch aber um Fähigkeiten im Umgang mit dem anderen Geschlecht zu sammeln, erscheint es mir tatsächlich deutlich erfolgsversprechender als das “die Eine sonst keine“-Ziel. (Wobei ich mich ganz klar in die Kategorie von Scott zuordnen muss ;)).

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Bildquelle: stokpic via Pixabay


  1. Meines Erachtens traut sich der Großteil der Menschen zu wenig zu. Im Zweifel sollte man sich daher immer hohe Ziele setzen und dann nach einem Weg dahin suchen. 

Buckminster Fuller’s Trim Tab

2016-06-03 buckminster-fuller-trim-tab v01

Buckminster „Bucky“ Fuller ist eine faszinierende Persönlichkeit. Im Alter von 32 Jahren, bankrott und suizidgefährdet, beschloss er sein Leben als Experiment fortzuführen mit der Fragestellung, was eine einzelne Person zum Wohle der gesamten Menschheit beitragen kann. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wirkte er als Architekt, Designer und Philosoph, bekleidete wichtige Ämter im Lehre und Forschung und erhielt mit der Zeit 47 Ehrendoktortitel und über 100 Auszeichnungen.

Eine tolle Metapher, die durch ihn geprägt wurde ist das Prinzip der „Trim Tabs“, dass er in einem Playboy-Interview im Jahr 1972 beschrieb.

Something hit me very hard once, thinking about what one little man could do. Think of the Queen Mary — the whole ship goes by and then comes the rudder. And there’s a tiny thing at the edge of the rudder called a trim tab. It’s a miniature rudder. Just moving the little trim tab builds a low pressure that pulls the rudder around. Takes almost no effort at all. So I said that the little individual can be a trim tab. Society thinks it’s going right by you, that it’s left you altogether. But if you’re doing dynamic things mentally, the fact is that you can just put your foot out like that and the whole big ship of state is going to go. So I said, call me Trim Tab.

Dieser Effekt lässt sich auf viele Bereiche übertragen. Es sind oft kleine Dinge, die eine Kette von Ereignissen in Gang setzen, die irgendwann zu massiven Ergebnissen führen. So kann ein Gespräch mit einem Freund oder ein Zeitungsartikel der Auslöser dafür sein, sich für Jogging zu interessieren und nach ein paar Jahren läuft man seinen ersten Marathon. Oder aus dem Fußweg zur Arbeit, folgt die Freude an der Bewegung, man achtet mehr auf seine Ernährung und nimmt plötzlich massiv ab. Oder aus der Gelegenheit einem älteren Nachbarn zu helfen, zieht man viel Freude und beginnt sich mehr und mehr sozial zu engagieren.

Rückwirkend wird es oft so aussehen, als ob große Maßnahmen die Änderungen herbeigeführt haben aber am Anfang der Kette stand vielleicht – um in Fuller’s Metapher zu bleiben – ein kleines, unscheinbares Trimmruder, das die Kette in Bewegung gesetzt hat.

Weitere Quellen:
Universalgenie Buckminster Fuller – Ein Leben fürs Dymaxion
Buckminster Fuller’s Brilliant Metaphor for the Greatest Key to Transformation and Growth (Brain Pickings)
The Power of Trim Tabs (Thought Medicine)
 Ahead of His Time (Kickstarter Blog)

Uniform tragen

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Unter dem Slogan „wearing a uniform“ hat eine reduzierte persönliche Kleiderwahl einen Platz in den Blogs von Lifehackern, Produktivitätsprofis und Minimalisten gleichermaßen gefunden. Steve Jobs war berühmt dafür bei der Arbeit und öffentlichen Auftritten stets den gleichen Typ Kleidung, einen schwarzen Rollkragenpullover und Blue Jeans, zu tragen. Interessant daran ist nicht der konkrete Stil sondern die Idee hinter der täglichen Uniformität: unnötige Entscheidungen reduzieren.

In dem Artikel Obama’s Way von Vanity Fair wird beschrieben, dass auch der US-Präsident seine Kleidungsauswahl beschränkt hat und die tägliche Garderobe nicht mehr selbst wählt, mit dem Ziel seine Entscheidungskapazität für wichtigere Dinge aufzusparen.

„You’ll see I wear only gray or blue suits,“ Obama said. „I’m trying to pare down decisions. I don’t want to make decisions about what I’m eating or wearing. Because I have too many other decisions to make.“

Ich habe dieses Konzept bei T-Shirts ausprobiert und tatsächlich für nützlich befunden. Mir war schon länger aufgefallen, dass ich zwar 20-30 T-Shirts im Kleiderschrank hatte aber nur 5-10 Stück davon wirklich gerne und regelmäßig trug. Die anderen erzwangen von mir, immer die gleichen Entscheidungen (dagegen) zu treffen und raubten nur Platz. Als ich von dem Schnitt und der Qualität eines hochwertigen Merinowolle-T-Shirts begeistert war, entschied ich mich 5-10 Stück davon zu kaufen und diese fortan zu meiner Standardwahl für T-Shirts (Uniform) zu machen. Die anderen habe ich ausgemustert.1 Seite mehr als einem Jahr bin ich sehr glücklich mit diesem Konzept.

Weitere Informationen:

Bildquelle: Ben Stanfield via Flickr


  1. Ich habe nur ca. fünf für mich besondere T-Shirts aufgehoben – z.B. das Finisher T-Shirt von meinem Sparta-Lauf – und wenn ich Lust darauf habe, trage ich eines davon. In Regelfall habe ich jedoch immer eine tolle Standardwahl, auf die ich zurückkommen kann. 

Abbestellen funktioniert

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Ich habe die erfreuliche Feststellung gemacht, dass man sich von Newslettern und Werbung sowohl elektronisch als auch in Papierform mittlerweile einfach und wirksam abmelden kann. Dabei habe ich in letzter Zeit keinen Fall mehr erlebt, wo der Bitte „abbestellen“ oder „unsubscribe“ nicht umgehend Folge geleistet wurde. Ich kenne sogar jemanden, der in einem kleinen Büro, in dem viel gewerbliche Werbung per Post eintraf, Stück für Stück auf jeden Brief mit einer Abbestellbitte reagierte. Inzwischen tendiert dort das Werbeaufkommen gen Null.

Die hohe Erfolgsquote liegt meines Erachtens daran, dass die Kosten für Newsletterbetreiber und Werbeversender einer solchen Bitte nicht nachzukommen inzwischen zu hoch sind. In vielen Ländern sind Gesetze gegen ungewünschte Zusendung von Werbung erlassen worden und engagierte Empfänger können sich wirksam wehren. Gleichzeitig passt es zum Zeitgeist seriöser Unternehmen, den Wunsch von Kunden und Interessenten ernst zu nehmen.

Auf elektronischem Wege ist es für große E-Mail-Dienste wie Gmail oder GMX sehr leicht, unerwünschte Werbung von Nutzern signalisiert zu bekommen und die Nachricht auf einen Schlag auch bei allen anderen Nutzern in den SPAM-Ordner zu bewegen. Zusätzlich werden solche Versender in der Regel technisch vom Versand weiterer Nachrichten blockiert. Das führt dazu, dass der Großteil der Adressen der Newsletter-Betreiber unbrauchbar werden würde. Sie tun also gut daran, den Wunsch der Empfänger ernst zu nehmen.

So liegt es tatsächlich endlich wieder im eigenen Ermessen, sowohl den elektronischen als auch den physischen Posteingang sauber und frei von Ablenkung zu halten. Noch ein Tipp für Werbung per Post: in einer Antwort eines Katalogversenders wurde ich auf die DDV-Robinsonliste hingewiesen, in die man sich eintragen kann, wenn man keine Initiativwerbung erhalten möchte. Es gibt also Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen.

Bildquelle: Dimitris Vetsikas via Pixabay

Pyramid Principle

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Anderen Menschen die eigenen Gedanken zu vermitteln ist nicht leicht, erst recht wenn es sich um Handlungsempfehlungen in kontroversen und komplizierten Situation handelt. Ein nützliches Prinzip, dass mir aus meiner Zeit als Unternehmensberater in Erinnerung geblieben ist, ist das Pyramid Principle von Barbara Minto:

Gemäß Pyramid Principle, kommuniziert man die Kernaussage zuerst und liefert erst anschließen, Ebene für Ebene, die untermauernden Argumente dafür nach.

Der übliche und intuitive Weg ein Lösung aufzuzeigen, ist mit dem Problem einzuleiten, dann Argumente zuliefern und am Ende, als eine Art Aha-Moment, die Lösung zu präsentieren. Dies ist aus verschiedenen Gründen nicht optimal. Die Aufmerksamkeit der Empfänger einer Nachricht zu behalten ist schwer, erst recht wenn sie mit Dingen konfrontiert werden, die sie schon wissen. Das ist oftmals bei einleitenden Argumenten für einen Lösungsvorschlag der Fall. Zudem ist nicht sicher, ob die Argumente richtig verstanden und in Zusammenhang mit der Lösung gebracht werden, da die Lösung noch nicht präsentiert wurde.

Mit dem Ergebnis – der Spitze der Pyramide – zu starten, wirft automatisch Fragen bei den Empfängern auf und erzeugt dadurch nützliche Aufmerksamkeit. Die nachfolgenden Argumente können genutzt werden, die Kernaussage zu erklären. Auf diese Weise fällt es den Empfängern leichter, den Zusammenhang zwischen Argumenten und Kernaussage nachzuvollziehen, da das Ergebnis bekannt ist.

Das Konzept hat noch ein paar Feinheiten und wie üblich für eine erfolgreiche Idee, wurde es zu einer komplexen Methodologie ausgebaut. Mir persönlich reicht jedoch das Bild der Pyramide als Erinnerung, mit der Spitze (dem Lösungsvorschlag) zu beginnen und dann Stück für Stück, Ebene für Ebene, die Details nachzuliefern.

Weitere Informationen:

Bildquelle: Flickr Commons

Discipline Equals Freedom

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Im Podcast von Tim Ferriss wurde der vermeintlich „Scariest Navy Seal Imaginable“ Jocko Willink interviewt und erwiderte auf die Frage, welchen Satz er auf ein Billboard schreiben würde:

Discipline equals freedom.

Im ersten Moment mag man den Kopf schütteln und es als typischen Armeespruch abtun, aber es ist mir tatsächlich als Weisheit in Erinnerung geblieben.

It is counter-intuitive: The more disciplined you are, the more freedom you actually have. You and I both know, if you wake up early, you get more done and you end up with more free time. So the more disciplined you are with your time management, the more free time you end up having. The more disciplined you are physically with your diet, the more freedom you have, because you can do more stuff. You have more freedom.

(Komplette Antwort ab Zeitstempel 1:56:00)

Tatsächlich folgt aus Disziplin und Routine fast immer Erfahrung, Stabilität und Übersicht. Fast jeder erstrebenswerte Zustand, kann in erster Linie durch Disziplin erreicht werden. Aus solchen Zuständen ist man in der Lage, Entscheidungen zu treffen und auch Veränderungen herbeizuführen. Mangel an Disziplin fördert – nicht immer aber oftmals – Unsicherheit, Fehler und unvorhersehbare Zustände, die weitere Schritte diktieren und Freiheitsgerade abbauen.

Am Beispiel der Gesundheit kann man sehen, dass undisziplinierte Ernährung, z.B. viel Zucker, Fast Food und Alkohol, zwar zunächst augenscheinlich Freiheit ausdrücken, aber sehr schnell in Leistungseinbrüche, Krankheiten oder Abhängigkeiten übergehen können. Es bleibt das Gegenteil von Freiheit, nämlich Einschränkungen und Umstände, die nur mit viel Arbeit zu überwinden sind.

Unverschämt kleine Ziele

2016-05-20 unverschaemt-kleine-ziele v01

Zum Antrainieren neuer Gewohnheiten ist die Auswahl geeigneter Ziele essentiell. Anders als man vermuten möchte, nutzt ein unverschämt kleines Ziel oftmals mehr, als ein scheinbar realistisches oder gar optimistisches Ziel. Ein gutes Beispiel dafür, war mein Vorhaben, täglich Zahnseide zu benutzen. Mir war lange schon bewusst, dass Zahnseide eine äußerst wirksame Ergänzung der Zahnhygiene ist. Jeden Tag putze ich natürlich die Zähne, aber ich konnte mich nicht aufraffen, anschließend noch Zahnseide zu verwenden. Die Hürde war so groß, dass ich es stets aufschob.

Das änderte sich, als ich bei zen habits den Artikel The Tiny Guide to Creating the Flossing Habit las. Der wichtigste Punkt darin war für mich „Floss just one tooth“. Ich verpflichtete mich zu einer (!) Zahnlücke als Tagesziel, mehr nicht. Alles darüber hinaus war freiwillig. Und tatsächlich, schon nach kurzer Zeit putzte ich mehr und mehr, und habe seitdem jeden Tag Zahnseide verwendet. Mittlerweile denke ich noch nicht mal mehr drüber nach und empfinde es auch nicht als Last. Es ist eine Angewohnheit geworden und läuft automatisch ab.

Das Erfolgsrezept lässt sich erklären. Wie schwer es fällt, etwas zu tun, hängt in erheblichem Maße von den zum Entscheidungszeitpunkt herrschenden Umständen ab. Liege ich auf der Couch und denke darüber nach Joggen zu gehen, ist die Hürde groß und die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich das Ziel sausen lasse. Das „unverschämt kleine Ziel“ nur die Laufschuhe anzuziehen, und vor die Tür zu gehen (und dann nach Wunsch wieder abzubrechen) wird mir weniger herausfordernd erscheinen und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass ich mich an meinen Vorsatz halte. Bin ich dann aber erstmal vor der Tür, ist die Hürde loszulaufen erheblich geringer. Ich werde wahrscheinlich eine andere Entscheidung treffen, als zu dem Moment, als ich noch auf der Couch lag.

Auf diese Weise gelingt es mir in jüngster Zeit immer wieder neue Gewohnheiten zu entwickeln, die mir – nachdem sie sich eingeprägt haben – kaum noch Willenskraft abverlangen.

80/20-Pareto-Prinzip

2016-05-12 80-20-pareto-prinzip v01

Eine der effektivsten und nützlichsten Grundregeln, die ich kenne, ist die 80-20-Regel, die im Fachjargon auch nach Ihrem Erfinder Pareto-Prinzip genannt wird.

Mit dem Paretoprinzip wird das statistische Phänomen beschrieben, dass häufig 20% des Aufwands zu 80% der Ergebnisse beitragen. Die verbleibenden 80%, also der Großteil des Aufwands, steuern folglich nur 20% des Ergebnisses bei.

Wenn man in der Praxis darauf achtet, lässt sich das an vielen Stellen tatsächlich bestätigen. In Firmen tragen meist wenige Kunden, zum Großteil der Umsätze bei. Ebenso machen meist wenige Produkte den überwiegenden Teil des Erfolgs aus. Selbst bei Aktivitäten, z.B. Werbekampagnen, lässt sich rückwirkend oft der Großteil des Resultats auf einige wenige Aktionen zurückführen.

Wie es sich für eine Daumenregel gehört, sind die Werte 80/20 nicht exakt. Auch lässt sich das Prinzip nicht überall einsetzen – es reicht schließlich nicht aus, wenn nur 20% der Glieder einer Kette die anfallende Last aushalten.

Das Pareto-Prinzip ist eine gute Daumenregel, die mir oft dabei hilft Optionen abzuwägen und Schwerpunkte zu setzen. Fast immer lassen sich einige wenige Elemente identifizieren, die den Großteil des Nutzens, Glücks oder Erfolgs und umgekehrt den Großteil des Aufwands, Stresses oder Sorge, etc. erzeugen. Wenn man sich auf diese 20% konzentriert, kann man erstaunlich viel bewirken.

Bildquelle: Sergey Zolkin via Unsplash