Systeme statt Ziele

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Jeder kennt den guten Rat erfolgreicher Menschen, sich – um Erfolg zu haben – hohe Ziele zu setzen. Auch wenn ich das prinzipiell nicht falsch finde1, sehe ich den Grund für Erfolge eindeutig an anderer Stelle, nämlich in Systemen. Je mehr ich darauf achte, desto mehr Bestätigung finde ich dafür.

Scott Adams (Autor der Dilbert Comics) beschreibt im Gespräch mit Tim Ferriss den Aspekt von „Goals vs. Systems“ besonders gut und geht in einem Blogartikel noch weiter darauf ein. Statt sich ein sehr konkretes Ziel zu setzen, empfiehlt er sich ein zum Ziel passendes System zu überlegen, das

  1. einen in Richtung des Ziels bringt und – jetzt kommt ein Knackpunkt –
  2. auch wenn man das Ziel zunächst nicht erreicht seinen Zustand schon deutlich verbessert.
  3. Anders als ein typischerweise starres Ziel, sollte das System dynamisch aufgesetzt sein, so dass es sich weiter entwickelt und immer bessere Resultate erzeugt.
  4. Ein System hat weiterhin den Vorteil, dass es die Methode zur Zielerreichung automatisch mit sich bringt und
  5. es frühzeitig Erfolge produziert, da jede Einhaltung des Systems als Erfolg gewertet werden kann und nicht nur die (einmalige und weit in der Zukunft liegende) Zielerreichung.

Im Podcast bringt Scott Adams ein humorvolles und einprägsames Beispiel, indem er den Unterschied zwischen sich selbst und einem Freund in jungen Jahren beim Umgang mit Frauen beschreibt. Natürlich hatten beide das Ziel, eine Partnerin zu finden. Scott wartete darauf, sich unsterblich in eine bestimmte Person zu verlieben, um dann – nach langen Qualen und Herzschmerzen – den Mut zusammenzunehmen sie anzusprechen. Das endete typischerweise mit einem gebrochenen Herzen, weil prompt dieses Mädchen entweder schon vergeben war oder schlicht kein Interesse an ihm hatte. Same old Story.

Sein Freund nutzte dagegen ein System. Auf Parties sprach er Mädchen der Reihe nach in absteigender Reihenfolge der Attraktivität an. Was auf den ersten Blick oberflächlich klingt ist ein erfolgsversprechendes System um (1.) Übung im Flirten zu bekommen, (2.) Erfahrungen mit unterschiedlichen Charakteren von Frauen zu sammeln, (3.) nicht selbst einschätzen zu müssen, ob ein Mädchen zu attraktiv für einen selbst ist und man überhaupt „Chancen hat“ und vor allem (4.) optimal vorbereitet zu sein (durch Übung), wenn man sich unsterblich in eines der Mädchen verliebt. Das System klingt auf den ersten Blick nicht romantisch aber um Fähigkeiten im Umgang mit dem anderen Geschlecht zu sammeln, erscheint es mir tatsächlich deutlich erfolgsversprechender als das “die Eine sonst keine“-Ziel. (Wobei ich mich ganz klar in die Kategorie von Scott zuordnen muss ;)).

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Bildquelle: stokpic via Pixabay


  1. Meines Erachtens traut sich der Großteil der Menschen zu wenig zu. Im Zweifel sollte man sich daher immer hohe Ziele setzen und dann nach einem Weg dahin suchen. 

Hormesis

2016-06-07 hormesis v01

Hormesis ist ein altbekanntes Konzept, dass kürzlich meine Einstellung zur Ernährung komplett auf den Kopf gestellt hat. Schon von Paracelsus wurde die Hypothese aufgestellt, dass schädliche Stoffe in kleinen Dosierungen eine positive Wirkung auf den Organismus haben können. Hormesis wird in letzter Zeit auch in Zusammenhang mit Sauna, kalt Duschen, Fasten (auch Intermittent Fasten), High Intensity Training und ähnlichen – auf den ersten Blick unangenehmen – Tätigkeiten genannt. Diese Betrachtungsweise ist auf Krafttraining übertragbar. Ein Workout führt zu einer Schwächung des Körpers und wenn man genau hinschaut zu einer leichten Verletzung der Muskeln1. Der Körper reagiert mit Superkompensation, er repariert also nicht nur die Muskelfasern sondern übertreibt ein wenig und baut damit für die Zukunft vor. Das erklärt, warum Muskeln wachsen und warum Erholungsphasen so wichtig für den Trainingserfolg sind.

Kürzlich haben Dr. Rhonda Patrick und Kevin Rose in einem Podcast über Hormesis gesprochen und als Beispiel Kälte, Hitze und Pflanzen herangezogen. Pflanzen schützen sich vor Fressfeinden mit einer Vielzahl von natürlich Abwehrstoffen in den Blättern, Blüten, etc. Diese wirken bei der Nahrungsaufnahme auch im Organismus des Menschen. Es ist also möglich, dass einige der guten Eigenschaften von Gemüse oder z.B. Tee nicht auf der Aufnahme von wohltuenden Stoffen, sondern auf der (moderaten) Aufnahme von herausfordernden Stoffen beruhen. Für mich würde das erklären, warum heutzutage Nahrungsmitteln aus aller Welt gesunde Eigenschaften zugesprochen werden, obwohl unsere Vorfahren unmöglich darauf Zugriff hatten – und trotzdem ein gesundes Leben führen konnten.

Für mich ist es schlüssig, dass z.B. Judo (mit Ursprung aus Japan) als Sport genauso gesund für mich sein kann wie Ringen (mit Ursprung in Europa). Es kommt auf die Herausforderung des Körpers und der Aktivierung der Superkompensation an und nicht auf die exakte Form der Bewegung. Gleichzeitig ist es logisch, dass ein Athlet der sich regelmäßig gut dosierter Belastung aussetzt, langfristig gesünder und widerstandsfähiger ist als jemand der Unwohlsein partout vermeidet.

Gleiches erscheint mir auch bei der Ernährung schlüssig, obwohl ich zuvor darüber noch nie so nachgedacht hatte. Für mich war Ernährung immer das Hinzufügen von gesunden Stoffen und nicht das Training mit herausfordernden Stoffen. Im Podcast wird Kukuma als Beispiel genannt, die streng genommen zwar eine schädliche Wirkung auf den Körper ausüben, damit aber sehr gesunde Effekte auslösen und daher unterm Strich als gesund eingestuft werden können.

Weitere Informationen: Dr. Rhonda Patrick ist eine Art wissenschaftlicher Ernährungs-Geek, die auf ihrer Website www.foundmyfitness.com viele Berichte zu Gesundheit und Fitness bereitstellt und die ich schon von einem Gespräch mit Tim Ferriss kannte.

Bildquelle: Julian Hanslmaier via Unsplash


  1. In den Muskeln entstehen durch stärkere Belastung kleine Haarrisse. 

Konsumieren oder Produzieren

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Ein Gedanke, der mich unter anderem zu diesem Blog animiert hat, ist der Unterschied zwischen Konsumieren und Produzieren. Es gibt Aktivitäten, bei denen man selbst in erster Linie Empfänger ist. Man profitiert von den Leistungen von Anderen. Man hört zu, man liest, man folgt. Man ist nicht Regisseur, sondern der Zuschauer. Nicht Gastgeber, sondern Gast. Nicht Sprecher, sondern Zuhörer. Konsumieren ist eine wichtige und schöne Sache, essentiell zum Lernen; doch je älter ich werde, desto wichtiger finde ich die richtige Dosierung zu beachten.

Die Magie liegt auf der Seite des Produzierens, des Erschaffens, der Kreativität. Etwas Schreiben, etwas Malen, jemandem Helfen, etwas Reparieren, etwas Aufschreiben und Weitergeben, etwas Hinzufügen. Hier erschafft man etwas Neues, gestaltet mit, erzeugt Werte. Auch als Konsument übt man Einfluss aus, doch in geringerem Maße. Man ist in der Rolle des Wählers und nicht des Politikers.

Diese Unterscheidung wende ich in letzter Zeit auf verschiedensten Aspekte an. Mir einen Saft im Supermarkt zu kaufen, zähle ich zum Konsumieren, mir einen Smoothie zu mixen eher zu produzieren. Ein Buch lesen, konsumieren. Mir Notizen machen und sie für andere zugänglich machen, produzieren. Diese Einteilung ist nicht eindeutig, nicht schwarz-weiß, sondern eher eine Übung für mich, wie groß der Eigenanteil, die Selbstbestimmung, die Einflussnahme bei einer Tätigkeit ist.

Ich glaube, der Anteil zwischen konsumieren und produzieren hat auch etwas mit Alter und Lebensphasen zu tun. Als Kind konsumiert man fast ausschließlich. Lernen, entwickeln, ausprobieren baut auf Erfahrungen und Werken der Eltern und anderen Personen auf. Auch in der Schule und in der Ausbildung wird dieser Schwerpunkt oft beibehalten. Es ist meist erst als junger Erwachsener, dass man mehr und mehr Werte schafft, sich kritisch mit dem Erlernten auseinandersetzt, darauf aufbaut und weiterführt. Oft zunächst im Beruf ,aber mehr und mehr auch in anderen Lebensbereichen.

So denke ich mittlerweile oft darüber nach, ob eine Handlung von mir eher auf der Konsumseite oder der Produktionsseite anzusiedeln ist. Ich probiere möglichst oft, auf der Seite des Produzieren zu sein. Das geht auch im Kleinen: man kann ein Produkt kaufen, sich daran erfreuen (konsumieren) und seine Erfahrungswerte an den Hersteller und an andere Interessenten, z.B. per Amazon-Bewertung, schicken (produzieren). Man kann in einem Restaurant guten Service genießen (konsumieren) und danach seine Kellner gegenüber dem Restaurant-Besitzer loben (produzieren).

Bildquelle: Eddy Klaus via Unsplash

Tiny House Movement

2016-06-05 tiny-house-movement v01

Bei der Tiny House-Bewegung dreht sich alles um das Ziel, angenehmes und erfülltes Wohnen auf möglichst kleiner Grundfläche zu realisieren. Dazu werden die Elemente einer Wohnung pfiffig und platzsparend kombiniert.

Die Gründe sich für ein Tiny Home zu entscheiden sind unterschiedlich. Für manche Menschen steht Minimalismus oder der schonende Umgang mit Ressourcen im Vordergrund. Für Andere besteht schlicht die Notwendigkeit, in begehrten Wohngegenden mit hohen Quadratmeterpreisen, z.B. in New York oder London, aus kleinen Wohnungen das Beste zu machen. In den letzten Jahren ist daraus ein Trend gewachsen, der meines Erachtens noch lange andauern und mit zunehmender Bevölkerungszahl in Großstädten immer relevanter werden wird.

Ich habe von Tiny Houses über einen TED-Talk von Graham Hill den Weg zu seinem Projekt LifeEdited gefunden. Seitdem folge ich dem Blog und bekomme regelmäßig Neuigkeiten aus der Szene, Architekturbeispiele pfiffiger Tiny-Apartments und Anregungen für ein einfacheres Leben zugeschickt. Die Idee dahinter ist gut und ich kann regelmäßig Konzepte und Anregungen davon auch in meinen Alltag einfließen lassen.

Es gibt einen Film auf Vimeo mit dem passenden Namen TINY: A Story About Living Small. Ein schönes Beispiel für ein Tiny House auf Rädern finde ich in diesem Video beschrieben. Ein Beispiel für ein Tiny Apartment in Hongkong gibt es hier. Es gibt inzwischen auch viele Communities für Tiny Houses, wo Know-How und Grundrisse ausgetauscht werden.

Weitere Informationen:

Bildquelle: Jon Ottosson via Unsplash

Bester Kauf unter 100 EUR?

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Tim Ferriss fragt die Gäste seines Podcasts in fast jeder Folge:

What was your best purchase for 100 Dollar or less in the last 6 months?

Als ich mir selbst die Frage stellte, war ich vom Ergebnis überrascht. Meine heißesten Kandidaten für diesen Platz sind:

  1. Eine Heath Ceramics Müslischüssel, die ich 2014 für ca. 30$ in San Francisco gekauft habe.
  2. Ein schlichter Kaffeebecher, den ich für 35$ (!) bei Sightglass Coffee ebenfalls in San Francisco im Jahr darauf erwarb (der gleiche Becher wurde dort zum Ausschank der Kaffees verwendet).

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Folgendes ist mir daran aufgefallen:

  • Beide Gegenstände sind von Firmen die mir besonders gefallen haben.
  • Sie sind Handwerksprodukte von hoher Qualität, keine Massenware. Der Kaffeebecher ist sogar leicht oval geraten, also nicht perfekt.
  • Der Preis war jeweils sehr hoch, so dass ich vor dem Kauf stark mit mir gerungen habe, ob ich sie überhaupt kaufen sollte.
  • Es sind Alltagsgegenstände, die ich fast täglich benutze und daher mich sehr oft daran erfreuen kann.
  • Ich passe auf beide sehr gut auf, pflege sie, wasche sie per Hand ab und habe einen besonderen Platz dafür.

Ich bin mir nicht sicher, ob man im Vorfeld überhaupt feststellen kann, ob sich ein Kauf besonders lohnen wird. Für mich persönlich habe ich gelernt, dass ich stets an besonderen Orten und bei besonderen Firmen auch ruhig mal einen Gegenstand kaufen werde der mir in dem Moment teuer erscheint. Die Frage die ich mir aber stets stelle ist, ob ich es oft benutzen und wertschätzen werde.

Und als kleines Gegengewicht zu diesem Artikel hier noch ein Hinweis von Derek Sivers, den ich ebenfalls oft vor Kaufentscheidungen berücksichtige: „It won’t make you happy!„.

Bildquelle: Clark Street Mercantile via Unsplash

Buckminster Fuller’s Trim Tab

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Buckminster „Bucky“ Fuller ist eine faszinierende Persönlichkeit. Im Alter von 32 Jahren, bankrott und suizidgefährdet, beschloss er sein Leben als Experiment fortzuführen mit der Fragestellung, was eine einzelne Person zum Wohle der gesamten Menschheit beitragen kann. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wirkte er als Architekt, Designer und Philosoph, bekleidete wichtige Ämter im Lehre und Forschung und erhielt mit der Zeit 47 Ehrendoktortitel und über 100 Auszeichnungen.

Eine tolle Metapher, die durch ihn geprägt wurde ist das Prinzip der „Trim Tabs“, dass er in einem Playboy-Interview im Jahr 1972 beschrieb.

Something hit me very hard once, thinking about what one little man could do. Think of the Queen Mary — the whole ship goes by and then comes the rudder. And there’s a tiny thing at the edge of the rudder called a trim tab. It’s a miniature rudder. Just moving the little trim tab builds a low pressure that pulls the rudder around. Takes almost no effort at all. So I said that the little individual can be a trim tab. Society thinks it’s going right by you, that it’s left you altogether. But if you’re doing dynamic things mentally, the fact is that you can just put your foot out like that and the whole big ship of state is going to go. So I said, call me Trim Tab.

Dieser Effekt lässt sich auf viele Bereiche übertragen. Es sind oft kleine Dinge, die eine Kette von Ereignissen in Gang setzen, die irgendwann zu massiven Ergebnissen führen. So kann ein Gespräch mit einem Freund oder ein Zeitungsartikel der Auslöser dafür sein, sich für Jogging zu interessieren und nach ein paar Jahren läuft man seinen ersten Marathon. Oder aus dem Fußweg zur Arbeit, folgt die Freude an der Bewegung, man achtet mehr auf seine Ernährung und nimmt plötzlich massiv ab. Oder aus der Gelegenheit einem älteren Nachbarn zu helfen, zieht man viel Freude und beginnt sich mehr und mehr sozial zu engagieren.

Rückwirkend wird es oft so aussehen, als ob große Maßnahmen die Änderungen herbeigeführt haben aber am Anfang der Kette stand vielleicht – um in Fuller’s Metapher zu bleiben – ein kleines, unscheinbares Trimmruder, das die Kette in Bewegung gesetzt hat.

Weitere Quellen:
Universalgenie Buckminster Fuller – Ein Leben fürs Dymaxion
Buckminster Fuller’s Brilliant Metaphor for the Greatest Key to Transformation and Growth (Brain Pickings)
The Power of Trim Tabs (Thought Medicine)
 Ahead of His Time (Kickstarter Blog)

Intermittent Fasting

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Mit dem Begriff Intermittent Fasting wird die Methode beschrieben, alle Mahlzeiten eines Tages, in einem Zeitfenster von ca. 8 Stunden zu sich zu nehmen. Das lässt sich unter anderem erreichen, indem man das Frühstück auslässt und erst mit dem Mittagessen die Nahrungsaufnahme beginnt. James Clear hat in seinem Beginner’s Guide to Intermittent Fasting die möglichen Varianten gut und ausführlich beschrieben.

Dem Fasten werden viele heilsame Effekte zugesprochen, wie in dieser Episode vom The Journal Podcast zwischen Kevin Rose und Dr. Rhonda Patrick besprochen wird. Es ist eine Form von Abhärtung, ähnlich wie Sport, die den Körper dazu anregt effizienter und robuster zu werden. Fasten soll zu einer Reduktion von schadhaften Zellen im Körper führen und erhöht in vielen Studien die Lebenserwartung der Testobjekte. Viele Lebewesen haben Fastenperioden in ihre Verhaltensweisen übernommen und auch fast alle großen Weltreligionen schreiben ihren Anhängern Phasen reduzierter Nahrungsaufnahme vor.

Für mich sind das alles Indizien dafür, dass es sich lohnt, mit Fasten Erfahrungen zu sammeln. Seit einige Monaten lege ich deshalb ein bis zwei Mal in der Woche einen Intermittent Fasting Tag ein. Statt Frühstück nehme ich dann einen Bulletproof Coffee am Morgen zu mir und esse dann erst wieder zum Mittagessen etwas. Das vereinfacht nicht nur die Frühstückszubereitung, sondern ist auch eine gute Gelegenheit, einen Bulletproof Coffee zu trinken.

Bildquelle: Mikesh Kaos via Unsplash

Victor Saad’s Leap Year Project

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Was macht man, wenn man sich die Studiengebühren für ein MBA-Studium nicht leisten kann? Man unterrichtet sich selbst! Victor Saad hat dies auf beeindruckend Art und Weise vorgemacht, indem er mit dem Leap Year Project sein eigenes MBA-Studium entwarf und umsetzte.

Im Zeitraum von 18 Monaten suchte er sich 12 einmonatige Praktikumsplätze. Sein klar formulierter Vorschlag an die Firmen: „I will come into your company for one month, identify any gaps in operation, and apply my skills to help you close those gaps“. Er nahm sein Selbststudium ernst, indem er sich klare Ziele setzte und seine Erfahrungen und Lerneffekte aufschrieb. Dies mündete in seinem Buch The Leap Year Project als Master Arbeit und einer Abschlussfeier im Rahmen eines TEDx Talk über sein Projekt.

Für mich ist das eine der inspirierendsten Geschichten, wie man sein Glück selbst in die Hand nehmen kann und mit frei verfügbaren Mitteln – und nicht zu vergessen Optimismus, Engagement und einer Strategie – Großartiges erreichen kann. Kein Wunder, dass seine Geschichte Wellen geschlagen hat, ihm die Gründung des Experience Institute (Ei) ermöglichte1 und ihm zum gefragten Fachmann für innovative Bildungskonzepte macht. Wie sympathisch und bodenständig er dabei geblieben ist, kann man gut in Victor’s Blog nachlesen. Chapeau!

Bildquelle: Cover vom Buch The Leap Year Project


  1. In Zusammenarbeit mit renommierten Bildungseinrichtungen, z.B. der d.school – Hasso Plattner Institute of Design der Stanford University. 

Wir werden sehen (chinesische Fabel)

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Die folgende chinesische Fabel mit dem Namen 塞翁失馬 (sai weng shi ma) wird immer mal in Podcasts zitiert. Zuletzt habe ich Sie auf der Homepage von Derek Sivers gesehen. Hier eine freie Übersetzung:

Es war einmal ein alter Mann, der hatte nur ein einziges Pferd. Eines Tages riss es sich los und lief davon.
Seine Nachbarn eilten herbei und sprachen: „Es tut uns so leid. Welch schreckliche Nachricht. Du musst erschüttert sein!“
Der Mann antwortete nur, „Wir werden sehen“.

Wenige Tage später, kam sein Pferd zurück in die Koppel in Begleitung von 20 Wildpferden. Der Bauer und sein Sohn pferchten alle Pferde ein.
Die Nachbarn eilten herbei und sprachen: „Herzlichen Glückwunsch. Welch herrliche Fügung. Du musst so froh sein!“
Der Mann antwortete nur, „Wir werden sehen“.

Kurze Zeit später, trat eines der Pferde nach dem Sohn des Bauern und brach ihm beide Beine.
Die Nachbarn eilten herbei und sprachen: „Es tut uns so leid. Welch schreckliche Nachrichten. Du musst am Boden zerstört sein!“
Der Mann antwortete nur, „Wir werden sehen“.

Einige Monate später brach Krieg im Land aus und jeder fähige Mann wurde zum Dienst als Soldat eingezogen. Aufgrund seiner Behinderung wurde der Sohn des Bauern verschont.
Die Nachbarn eilten herbei und sprachen: „Herzlichen Glückwunsch. Welch glückliches Geschick. Du musst so erleichtert sein!“
Der Mann antwortete nur, „Wir werden sehen“.

Bildquelle: Zhao Mengfu – Man and Horse

Uniform tragen

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Unter dem Slogan „wearing a uniform“ hat eine reduzierte persönliche Kleiderwahl einen Platz in den Blogs von Lifehackern, Produktivitätsprofis und Minimalisten gleichermaßen gefunden. Steve Jobs war berühmt dafür bei der Arbeit und öffentlichen Auftritten stets den gleichen Typ Kleidung, einen schwarzen Rollkragenpullover und Blue Jeans, zu tragen. Interessant daran ist nicht der konkrete Stil sondern die Idee hinter der täglichen Uniformität: unnötige Entscheidungen reduzieren.

In dem Artikel Obama’s Way von Vanity Fair wird beschrieben, dass auch der US-Präsident seine Kleidungsauswahl beschränkt hat und die tägliche Garderobe nicht mehr selbst wählt, mit dem Ziel seine Entscheidungskapazität für wichtigere Dinge aufzusparen.

„You’ll see I wear only gray or blue suits,“ Obama said. „I’m trying to pare down decisions. I don’t want to make decisions about what I’m eating or wearing. Because I have too many other decisions to make.“

Ich habe dieses Konzept bei T-Shirts ausprobiert und tatsächlich für nützlich befunden. Mir war schon länger aufgefallen, dass ich zwar 20-30 T-Shirts im Kleiderschrank hatte aber nur 5-10 Stück davon wirklich gerne und regelmäßig trug. Die anderen erzwangen von mir, immer die gleichen Entscheidungen (dagegen) zu treffen und raubten nur Platz. Als ich von dem Schnitt und der Qualität eines hochwertigen Merinowolle-T-Shirts begeistert war, entschied ich mich 5-10 Stück davon zu kaufen und diese fortan zu meiner Standardwahl für T-Shirts (Uniform) zu machen. Die anderen habe ich ausgemustert.1 Seite mehr als einem Jahr bin ich sehr glücklich mit diesem Konzept.

Weitere Informationen:

Bildquelle: Ben Stanfield via Flickr


  1. Ich habe nur ca. fünf für mich besondere T-Shirts aufgehoben – z.B. das Finisher T-Shirt von meinem Sparta-Lauf – und wenn ich Lust darauf habe, trage ich eines davon. In Regelfall habe ich jedoch immer eine tolle Standardwahl, auf die ich zurückkommen kann.