Tee lose zubereiten

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Seit ich denken kann, trinken wir zuhause schwarzen Breakfast Tea auf die Englische Art: mit etwas Milch. Erst seit wenigen Jahren taste ich mich, wegen der guten Reputation für die Gesundheit, an Grünen- und Kräutertee heran. Ich probiere täglich einen Tee zu trinken und wechsle dabei zwischen verschiedenen Sorten. Durch Brainpickings wurde ich auf den Artikel How to Make the Perfect Cup of Tea: George Orwell’s 11 Golden Rules aufmerksam, nur um umgehend festzustellen, dass ich den Großteil der darin genannten Regeln bisher mißachtet hatte. Da mir viele davon schlüssig erschienen, stellte ich mich langsam um.

Die dabei lohnenswerteste Erkenntnis war für mich, losen Tee zu kaufen und direkt in die Kanne mit dem heißen Wasser zu geben, nicht in einem Teesieb oder Teebeutel.

(…) the tea should be put straight into the pot. No strainers, muslin bags or other devices to imprison the tea.

Es leuchtet ein, dass je mehr der Tee sich mit dem Wasser vermischt, desto mehr Stoffe gelöst werden können. Auf die Stoffe aus dem Teebeutel wiederum kann ich gerne verzichten. Den Tee beim Aufgiessen mit Wasser zu beobachten und die Reaktion unterschiedlicher Teesorten zu beobachten, ist dabei ein schöner Bestandteil des „Rituals“ geworden.

So benutze ich für die Zubereitung einer Tasse Tee nun ganz klassisch zwei Gefäße: eine kleine Kanne zum Aufgießen und Ziehenlassen und die Tasse zum trinken. Für das umgießen kann man, so wie ich derzeit, schlicht ein Handsieb aus Edelstahl verwenden. Es gibt aber auch Kannen mit eingebautem Sieb oder kleine Einsätze für den Kannenrüssel.

Wer sich an losen Tee in guter Qualität rantasten möchte, dem kann ich folgende Firmen für empfehlen:

(Und der Vollständigkeit mein jahrzehntelangen English Breakfast Haustee: Tetley).

Bildquelle: Zugr via Unsplash

Stromsparmodus iPhone

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Die Nützlichkeit des neuen Stromsparmodus für das iPhone habe ich lange Zeit stark unterschätzt. Eine iPhone-Ladung hält für mich bei normaler Benutzung einen kompletten Tag – seit ich das iPhone 6S Plus habe sogar bis zu zwei Tage. An aktiven Tagen jedoch, z.B. auf Reisen, hält der Akku oftmals nicht den ganzen Tag lang durch. Der Stromsparmodus hat dieses Problem gelöst.

An besonderen Tagen aktiviere ich den Stromsparmodus des iPhones direkt nach dem aufladen, wenn der Ladezustand noch bei 100% ist.

Typische Anlässe dafür sind Reisen, Ausflüge oder Tage mit erheblichen Aktivitäten (z.B. Messebesuche oder Workshops). Der Stromsparmodus aktiviert dann ein paar Einschränkungen die sich bei genauerer Betrachtung als kaum wichtig herausstellen.

  • Die Helligkeit des Displays wird etwas verringert und es schaltet früher ab, wenn keine Berührung mehr erfolgt.
  • Die Hintergrundaktualisierung wird deaktiviert. Sie bietet unter normalen Umständen den Komfort, dass Daten häufig verwendeter Apps – z.B. E-Mails, Nachrichten, Verkehrsdaten oder Fotos – regelmäßig im Hintergrund geladen werden. Anwendungen starten dadurch zwar etwas schneller, die Ladevorgänge im Hintergrund Verbrauch jedoch auch nicht unerheblich viel Strom.
  • Kleinere Features, wie die WLAN-Suche, Hey Siri, visuelle Effekte, etc. Hier eine komplette Liste von Apple.

Ich kann jedem iPhone-Besitzer wärmstens empfehlen, den Stromsparmodus auszuprobieren und sich anzugewöhnen, ihn an besonderen Tagen (insbesondere auf Reisen) grundsätzlich zu aktivieren.

Zusätzliche Tipps

Besitzer eines iPhone-Modells mit 3D-Touch-Display (ab iPhone 6S) können fest (Force Touch) auf das Einstellungs-Symbol drücken, um eine Abkürzung zur Batterieeinstellung zu nehmen.

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Selbstredend rate ich dazu, die Einladung von Apple den Stromsparmodus zu aktivieren anzunehmen, sobald der Ladezustand auf 20% gesunken ist. Auch diese habe ich lange Zeit weggedrückt, ohne den Nutzen der dadurch noch etwas verlängerten Laufzeit zu realisieren.

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Weitere Quellen:

Peter Diamandis

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Peter Diamandis ist ein Experte für Zukunftsprognosen und die Rolle die technologischer Fortschritt dabei spielt.

Er hat für mich den Aspekt schlüssig belegt, dass eine Ressource die heute noch knapp ist – z.B. bestimmte Rohstoffe oder Energie, Nahrung, Zugang zu Bildung oder Kommunikation – durch technologischen Fortschritt innerhalb kürzester Zeit im Überfluss (englisch: „abundant“) verfügbar sein kann. Diverse Beispiele aus der Vergangenheit und ein Ausblick in die nahe Zukunft gibt er in seinem Buch Abundance: The Future Is Better Than You Think.

Technology is a resource-liberating mechanism. It can make the once scarce the now abundant.

Ich habe seinen wöchentlichen Newsletter abonniert (hier als Blog), der gespickt ist mit Know-How, Prognosen und Beispielen für Fortschritt in Schlüsseltechnologien (3D-Printing, Virtual Reality, etc.). Zudem kuriert er und sein Team den Abundance Insider eine Art Tech News Presseschau, in der Berichterstattung über solche Schlüsseltechnologien – zusammen mit einem guten Erklärungstext unter der Überschrift „Why this is important“ – kuriert wird.

Neben diversen Posten und Ämtern, die er innehält (Gründer X PRIZE Foundation, Planetary Resources, Human Longevity, Hypereloop, etc.), ist er Mitgründer der Singularity University, einer spannenden Bildungseinrichtung die Graduate- und Executive-Programme im Bereich exponentiell wachsender Technologien anbietet. Den Ansatz einer solchen Institution finde ich sehr inspirierend und ist widergespiegelt in einem Zitat aus seinem Buch:

The world doesn’t need another ultraspecialist-generating research university. We’ve got that covered. Places like MIT, Stanford, and the California Institute of Technology already do a fine job creating supergeniuses who can geek out in their nano-niche. What’s needed is a place where people can go to hear of the biggest and boldest ideas, those exponential possibilities that echo Archimedes: „Give me a lever long enough, and a place to stand, and I will move the world.“

Bildquelle: Steve Jurvetson via Flickr (Foto beschnitten)

Slow is Steady, Steady is Fast

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Wann immer ich große Fortschritte in meiner Entwicklung mache, erst recht im Bereich Fitness und Gesundheit, muss ich an diesen Satz denken. Er erinnert mich daran, dass in vielen Bereichen eine merkwürdige Grundregel gilt: Langsam = Schnell. Was auf den ersten Blick gegensätzlich oder gar falsch erscheint, wird durch den Zwischenschritt „stetig“ erklärt.

Gerade im Bereich Fitness-Sport starten viele mit dem Wunsch, schnelle Erfolge zu erzielen. Was dann passiert, beschreibt James Clear mit  passenden Worten: „Hard, Hard, Hurt“. Denn etwas Neues, etwas Ungewohntes schnell zu tun, endet in der Regel mit Verletzung und einer Zwangspause. Die Kette ist gebrochen und der Erfolg bleibt aus. Gibt man hingegen dem Körper Zeit, startet langsam und steigert vorsichtig, passt er sich an. Das Resultat ist „slow, slow, slow, never stop“. Innerhalb von Monaten und gerne auch Jahren kann man so massive Erfolge erreichen.

Dieses Muster sehe ich immer wieder auch in anderen Bereichen: etwas lernen, ein Hobby beginnen, ein Projekt starten, Urlaubsplanung, etc. Beginnt man etwas schnell und überschwänglich mit viel Kraft und Elan, fällt es schwer durchzuhalten. Zu viel Energie wird verbraucht, zu groß der Verzicht an anderer Stelle. Es ist wie laufen: je schneller man rennt, desto kürzer hält man das Tempo durch. Gehen und sich langsam steigern und lange durchhalten, bringt einen weiter.

(Ich konnte nicht mehr nachvollziehen, woher ich den Satz in dieser Form aufgeschnappt habe. Ich glaube er kommt aus der American Army. So wird er unter der Formulierung „Slow is smooth, smooth is fast“ von SealFit verwendet.)

Bildquelle: Cody Black via Unsplash

Amanzi Tea

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Schon lange frage ich mich, ob der Erfolg von Starbucks als Archetyp des modernen Coffee Shops auch für Tee reproduzierbar wäre. Es kommt mir so vor, als ist die Verteilung von Tee- zu Café-Liebhabern in der Bevölkerung ungefähr ausgeglichen. Doch während man Coffee Shops an jeder Ecke sieht, sind „Tea Shops“ die Ausnahme. Sie existieren so, wie Cafés vor Coffee Shops existierten: sehr individuell und verteilt. Keine Kette liefert ein gleichbleibendes Produkt und Erlebnis auf gutem Niveau. Das könnte sich bald ändern.

Bei meinem letzten London-Besuch bin ich über Amanzi Tea gestolpert und war schlicht begeistert. Genau so könnte ein „Tea Shop“ funktionieren! Als wären die besten Ideen an einer Stelle zusammengekommen, wirkt das Konzept bis ins kleinste Detail durchdacht. Dabei stand ein moderner Coffee Shop Vorbild, allerdings wurde an den richtigen Stellen auf die Unterschiede zwischen Tee und Kaffee eingegangen.

Betritt man das Geschäft, erkennt man den Fokus auf Tee sofort. An der Wand stapeln sich Teebehälter bis zur Decke – wie man es von einem altmodischen Teeladen kennt – allerdings in moderner Umsetzung, hell und klar ohne Schnörkel. An einer Theke an der Seite laden kleine Behälter gefüllt mit losem Tee zum Anschauen und Schnuppern ein. Der Aufbau hilft bei der Einordnung der Tees in Gruppen (grüner Tee, schwarzer Tee, Kräutertee, etc.). Dabei fiel mir auf, wie schöne loser Tee aussieht, im Vergleich zu den Beuteln die man an vielen Stellen konsumiert.

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Das Teesortiment in Probierbehältern präsentiert

Den Machern ist es sogar gelungen, den Flair einer großen, silbernen Cappucinomaschine in angepasster Art und Weise auf Tee zu übertragen. Nach der Bestellung wird der lose Tee in einen trichterförmigen Teezubereiter gefüllt, mit heißem Wasser übergossen und auf einen von Innen beleuchteten Quader aus Milchglas gestellt. So wird der Tee fast wie in einem Fotostudio ausgeleuchtet während er zieht. Das Bild von mehreren verschiedenfarbigen Tees mit losen Blättern auf dem Quader sieht einfach schön aus. Der nächste Wow-Effekt folgt nach Ablauf der Brühzeit. Der (im Shop käuflich erhältliche) Teezubereiter wird auf eine massive Glastasse gedrückt und der Tee läuft durch eine Dichtung nach unten in das Glas. Mit der Beleuchtung von unten sieht das unglaublich schön aus.

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Die Theke und links der beleuchtete Quader

Es gibt viele Details (wie die Sprüche mit Tee-Wortwitz an vielen Stellen, der Verkauf von Teezubehör, etc.) die zum schönen Gesamtbild beitragen. Ebenfalls gut gemacht: Es gibt auch die leckeren, modernen „Teeschweinereien“ wie Macha-Latte, Chai-Latte ebenso wie das normale Kaffeesortiment (Latte, Cappucino, Espresso, etc.) so dass für jeden Gast etwas dabei sein müsste.

Wie man merkt bin ich begeistert von dem Konzept und der Umsetzung und drücke die Daumen, dass der Erfolg nicht auf sich warten lässt. Schaut doch mal vorbei, wenn Ihr in London seid.

Links:

Bildquelle: selbst fotografiert

The Taste Gap

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Jeder Mensch der etwas selbst erstellt – ein Bild, ein Foto, ein Text, ein Essen, ein Arbeitsergebnis jeglicher Form – kennt das Gefühl der Enttäuschung. Man ist unzufrieden mit dem Ergebnis. Man hat ein Bild im Kopf oder vielleicht nur eine vage Vorstellung aber das was man erstellt hat, kommt da nicht ran. So vieles was man kennt ist deutlich besser. Man ist von sich und seiner Leistung enttäuscht.

Selbst wenn man dann von anderen Personen gelobt wird, selbst wenn diese mit dem Ergebnis zufrieden scheinen, bleibt das ungute Gefühl. Man hätte es sich so viel besser gewünscht. Man hat es nicht geschafft. Wäre man doch nur besser…

Das dieser Zustand normal ist, ja gar unvermeidbar (!) wenn man in einem Bereich gut werden möchte, beschreibt Ira Glass in einem Interview. Es wird unter dem Titel The Gap oder The Taste Gap weitererzählt.

Nobody tells people who are beginners — and I really wish somebody had told this to me — is that all of us who do creative work … we get into it because we have good taste. But it’s like there’s a gap, that for the first couple years that you’re making stuff, what you’re making isn’t so good, OK? It’s not that great. It’s really not that great. It’s trying to be good, it has ambition to be good, but it’s not quite that good. But your taste — the thing that got you into the game — your taste is still killer, and your taste is good enough that you can tell that what you’re making is kind of a disappointment to you, you know what I mean?

A lot of people never get past that phase. A lot of people at that point, they quit.

Die Lösung darauf, ist diesen Zustand zu akzeptieren und dran zu bleiben. Mehr erstellen, mehr machen, seinen Geschmack weiter ausprägen und üben, üben, üben. Das Ergebnis wird automatisch in besseren Ergebnissen resultieren und „The Taste Gap“ – die Diskrepanz zwischen eigenem Geschmack und dem eigenen Arbeitsergebnis – wird kleiner werden. Ob es je verschwinden wird – da habe ich meine Zweifel – aber man kann damit leben.

Den kompletten Text kann man in dem Artikel The Taste Gap auf Brainpickings nachlesen oder hören und sehen in diesem kreativen Kurzfilm-Kunstwerk:

Bildquelle: Daniel Sax aus THE GAP by Ira Glass

Fisher Space Pen

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Wenn ich vom Fisher Space Pen erzähle, komme ich regelmäßig ins Schwärmen. Schon seine Geschichte ist nett, denn sein Name kommt nicht von irgendwo her.

The cartridge was pressurized with nitrogen so that it didn’t rely on gravity to make it work. It was dependable in freezing cold and desert heat. It could also write underwater and upside down. (…) The space race was on, and the astronauts involved in the Mercury and Gemini missions had been using pencils to take notes in space since standard ball points did not work in zero gravity. The Fisher cartridge did work in the weightlessness of outer space and the astronauts, beginning with the October, 1968 Apollo 7 mission began using the Fisher AG-7 Space Pen and cartridge developed in 1966.

Doch das beste Feature ist die geniale Form. Verschlossen ist der Stift sehr klein, so dass man ihn bequem in die Hosentasche stecken kann und ihn dort nicht unangenehm spürt. Erst nach dem Öffnen und mit aufgesteckter Kappe wächst der Space Pen auf normale Größe heran und man kann bequem damit schreiben. Die Form und das Material machen ihn zu einem echten Handschmeichler.

Der Space Pen gehört nun seit Jahren zu meinem EDC. Einen guten Stift zur Hand zu haben, bereitet mir immer wieder aufs Neue Freude. Die Firma Fisher Space Pen Co. ist übrigens ein Familienbetrieb, die Schreibgeräte in eigener Fabrik in Boulder City Nevada (USA) produziert.

2-Minuten-Regel

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David Allen’s Buch Getting Things Done war eins der ersten Bücher zum Thema Produktivität, das ich gelesen habe. Tatsächlich habe ich daraus mehrere praktische Grundregeln übernommen, die es mir seitdem erleichtern, die alltäglichen Aufgaben (sprich „Todos“) zu organisieren und abzuarbeiten.

Die 2-Minuten-Regel ist eines dieser Goldstücke. Sie ist so einfach wie genial:

Dauert eine Tätigkeit weniger als 2 Minuten, sollte sie umgehend erledigt werden.

Dieses Verhalten ist deswegen so nützlich, da jeder alternative Umgang mit der Aufgabe – es auf später verschieben (und dabei nicht vergessen), es deligieren und jemandem erklären müssen, es nicht tun und mit den Konsequenzen leben – wahrscheinlich mehr Zeit in Anspruch nehmen wird oder mehr Ressourcen verbraucht, als es schlicht und einfach sofort zu erledigen. Diese Weisheit schlägt sich auch in dem Sprichwort wieder:

Gleich getan ist viel gespart.

(Auf englisch: A stitch in time saves nine.)

Bildquelle: Sonja Langford via Unsplash

Hell Yeah or No

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When deciding whether to commit to something, if I feel anything less than, “Wow! That would be amazing! Absolutely! Hell yeah!” – then my answer is no.

Derek Sivers ist ein sympathischer Kerl, den ich das erste Mal auf der Bühne des World Domination Summit 2015 gesehen habe. Er war jüngst im Podcast mit Tim Ferriss und hat dort mal wieder seine Geschichte erzählt.

Einer seiner populärsten Blogartikel ist Hell Yeah or No, aus dem das obige Zitat stammt. Der Ansatz ist super und wie schwer die Umsetzung ist und dass es noch mehr zu beachten gibt, zeigt der Folgeartikel Saying no to everything else.

I started many times, but each time decided to chase some other distraction that didn’t put my ass on the line, instead. There are always more emails to answer, always more things to learn, and always more people with enticing requests for me to help them achieve their dreams. (Each one swearing it’ll be just an hour of my time, tops.)

Auch mir kommt es so vor, als lauerten an jeder Ecke Ablenkung, Zeitvertreib und gute Ideen, die darauf warten umgesetzt zu werden. Der Satz „Hell yeah! or no.“ ist eine schöne Daumenregel, die man bei der Entscheidung für oder gegen eine Aktivität mit einfließen lassen kann.

Bildquelle: Radoan_tanvir via Pixabay

Der Kaufmann Siddhartha

Das Buch Siddhartha von Herman Hesse ist ein schöner Roman, den ich zur Abwechslung im Original auf Deutsch lesen konnte. Die Geschichte spielt im fernen Indien und vermittelt zeitlose Gedanken zum Leben und der ewigen Suche nach dem Glück. Ein gelehrter Jüngling namens Siddhartha zieht aus von Zuhause auf der Suche nach Vollkommenheit und durchlebt dabei mehrere unterschiedliche Lebensabschnitte. Eine Zeit lang arbeitet er mit einem Kaufmann zusammen und ein paar Absätze davon sind mir besonders in Erinnerung geblieben.
Er sah bald, daß Siddhartha von Reis und Wolle, von Schiffahrt und Handel wenig verstand, daß aber seine Hand eine glückliche war, und daß Siddhartha ihn, den Kaufmann, übertraf an Ruhe und Gleichmut, und in der Kunst des Zuhörenkönnens und Eindringens in fremde Menschen.
So geht er durch seine untypische Vorausbildung die Dinge zunächst anders an als der Vollblut-Kaufmann.

»Dieser Brahmane«, sagte er zu einem Freunde, »ist kein richtiger Kaufmann und wird nie einer werden, nie ist seine Seele mit Leidenschaft bei den Geschäften. Aber er hat das Geheimnis jener Menschen, zu welchen der Erfolg von selber kommt, sei das nun ein angeborener guter Stern, sei es Zauber, sei es etwas, das er bei den Samanas gelernt hat. Immer scheint er mit den Geschäften nur zu spielen, nie gehen sie ganz in ihn ein, nie beherrschen sie ihn, nie fürchtet er Mißerfolg, nie bekümmert ihn ein Verlust.

Seine Art und Weise, nicht in erster Linie verbissen nach dem Geld zu streben hat viele Vorteile und erstaunlicherweise gelingen ihm Geschäfte sogar besser, als den klassischen Kaufläuten. Eine schöne Erinnerung daran, dass auch im Geschäftsleben Menschen zusammenarbeiten. Fast schon nebenbei hat sein Optimismus und Gleichmut noch andere Vorteile für ihn selbst.

Einmal reiste er in ein Dorf, um dort eine große Reisernte aufzukaufen. Als er ankam, war aber der Reis schon an einen andern Händler verkauft. Dennoch blieb Siddhartha manche Tage in jenem Dorf, bewirtete die Bauern, schenkte ihren Kindern Kupfermünzen, feierte eine Hochzeit mit und kam überaus zufrieden von der Reise zurück. Kamaswami machte ihm Vorwürfe, daß er nicht sogleich umgekehrt sei, daß er Zeit und Geld vergeudet habe. Siddhartha antwortete: »Laß das Schelten, lieber Freund! Noch nie ist mit Schelten etwas erreicht worden. Ist Verlust entstanden, so laß mich den Verlust tragen. Ich bin sehr zufrieden mit dieser Reise. Ich habe vielerlei Menschen kennengelernt, ein Brahmane ist mein Freund geworden, Kinder sind auf meinen Knien geritten, Bauern haben mir ihre Felder gezeigt, niemand hat mich für einen Händler gehalten.«

(…)

Sieh, Lieber, wenn ich Kamaswami gewesen wäre, so wäre ich sofort, als ich meinen Kauf vereitelt sah, voll Ärger und in Eile wieder zurückgereist, und Zeit und Geld wäre in der Tat verloren gewesen. So aber habe ich gute Tage gehabt, habe gelernt, habe Freude genossen, habe weder mich noch andere durch Ärger und durch Eilfertigkeit geschädigt. Und wenn ich jemals wieder dorthin komme, vielleicht um eine spätere Ernte zu kaufen, oder zu welchem Zweck es sei, so werden freundliche Menschen mich freundlich und heiter empfangen, und ich werde mich dafür loben, daß ich damals nicht Eile und Unmut gezeigt habe.

Schade nur, dass je länger Siddhartha im Geschäftsleben verbringt, er schrittweise immer stärker abstumpft und seine untypische Art verliert.

Sein Gesicht war noch immer klüger und geistiger als andre, aber es lachte selten, und nahm einen um den andern jene Züge an, die man im Gesicht reicher Leute so häufig findet, jene Züge der Unzufriedenheit, der Kränklichkeit, des Mißmutes, der Trägheit, der Lieblosigkeit. Langsam ergriff ihn die Seelenkrankheit der Reichen.

Insgesamt eine schöne Geschichte, mit einer guten Moral.