Hormesis

2016-06-07 hormesis v01

Hormesis ist ein altbekanntes Konzept, dass kürzlich meine Einstellung zur Ernährung komplett auf den Kopf gestellt hat. Schon von Paracelsus wurde die Hypothese aufgestellt, dass schädliche Stoffe in kleinen Dosierungen eine positive Wirkung auf den Organismus haben können. Hormesis wird in letzter Zeit auch in Zusammenhang mit Sauna, kalt Duschen, Fasten (auch Intermittent Fasten), High Intensity Training und ähnlichen – auf den ersten Blick unangenehmen – Tätigkeiten genannt. Diese Betrachtungsweise ist auf Krafttraining übertragbar. Ein Workout führt zu einer Schwächung des Körpers und wenn man genau hinschaut zu einer leichten Verletzung der Muskeln1. Der Körper reagiert mit Superkompensation, er repariert also nicht nur die Muskelfasern sondern übertreibt ein wenig und baut damit für die Zukunft vor. Das erklärt, warum Muskeln wachsen und warum Erholungsphasen so wichtig für den Trainingserfolg sind.

Kürzlich haben Dr. Rhonda Patrick und Kevin Rose in einem Podcast über Hormesis gesprochen und als Beispiel Kälte, Hitze und Pflanzen herangezogen. Pflanzen schützen sich vor Fressfeinden mit einer Vielzahl von natürlich Abwehrstoffen in den Blättern, Blüten, etc. Diese wirken bei der Nahrungsaufnahme auch im Organismus des Menschen. Es ist also möglich, dass einige der guten Eigenschaften von Gemüse oder z.B. Tee nicht auf der Aufnahme von wohltuenden Stoffen, sondern auf der (moderaten) Aufnahme von herausfordernden Stoffen beruhen. Für mich würde das erklären, warum heutzutage Nahrungsmitteln aus aller Welt gesunde Eigenschaften zugesprochen werden, obwohl unsere Vorfahren unmöglich darauf Zugriff hatten – und trotzdem ein gesundes Leben führen konnten.

Für mich ist es schlüssig, dass z.B. Judo (mit Ursprung aus Japan) als Sport genauso gesund für mich sein kann wie Ringen (mit Ursprung in Europa). Es kommt auf die Herausforderung des Körpers und der Aktivierung der Superkompensation an und nicht auf die exakte Form der Bewegung. Gleichzeitig ist es logisch, dass ein Athlet der sich regelmäßig gut dosierter Belastung aussetzt, langfristig gesünder und widerstandsfähiger ist als jemand der Unwohlsein partout vermeidet.

Gleiches erscheint mir auch bei der Ernährung schlüssig, obwohl ich zuvor darüber noch nie so nachgedacht hatte. Für mich war Ernährung immer das Hinzufügen von gesunden Stoffen und nicht das Training mit herausfordernden Stoffen. Im Podcast wird Kukuma als Beispiel genannt, die streng genommen zwar eine schädliche Wirkung auf den Körper ausüben, damit aber sehr gesunde Effekte auslösen und daher unterm Strich als gesund eingestuft werden können.

Weitere Informationen: Dr. Rhonda Patrick ist eine Art wissenschaftlicher Ernährungs-Geek, die auf ihrer Website www.foundmyfitness.com viele Berichte zu Gesundheit und Fitness bereitstellt und die ich schon von einem Gespräch mit Tim Ferriss kannte.

Bildquelle: Julian Hanslmaier via Unsplash


  1. In den Muskeln entstehen durch stärkere Belastung kleine Haarrisse.