Everyday Leadership

2016-08-04 everyday-leadership v01

Man unterschätzt in der Regel den positiven Einfluss, den man auf andere Menschen ausüben kann oder bereits ausgeübt hat. Umgekehrt kann man sich teilweise sein Leben lang an einfache Handlungen anderer Menschen erinnern, die einen stark beeinflusst oder sogar sein eigens Leben maßgeblich verändert haben. Vor vielen Jahren habe ich dazu den TED Talk Everyday Leadership gesehen. Drew Dudley erzählt darin, auf exzellente Art und Weise, wie er vor vielen Jahren durch eine unscheinbare Handlung, bahnbrechenden Einfluss auf das Leben einer Studentin hatte, ohne sich dem bewusst gewesen zu sein. Nur weil das Mädchen Jahre später auf ihn zukam und ihm davon berichtet, konnte er die Geschichte zu einem hervorragenden TED Talk verarbeiten.

Mit welch einfachen Handlungen oder Aussagen es möglich ist, solch positiven Einfluss im Leben eines anderen auszuüben, zeigen auch die Worte von Glenn Beck im Gespräch mit Tim Ferriss. Einer seiner Lehrer zitierte ihn zu einem Gespräch, stellte ein paar Fragen und sagte dann:

„You belong here. You’re OK to be here.“
That endorsement, as stupid as it seems, opened up my whole world.
Audio-Link mit Zeitstempel

Einem Menschen zu sagen, dass man ihn schätzt, dass man ihn versteht, dass man dankbar für etwas ist, ist unglaublich kraftvoll. Oft erscheinen uns Dinge selbstverständlich, doch kann es für jemand anderen die Welt bedeuten, es als Kompliment oder Ausdruck von Dankbarkeit zu hören. Ich kann mich noch gut an den Moment erinnern, als mir ein Professor in einer Vorlesung sagte: „Aus Ihnen wird mal etwas!“. Dieses unerwartete und übertriebene Lob erhielt ich, als ich mich nach einer längeren Zeit unangenehmer Stille freiwillig meldete eine Hausarbeit vorzutragen. So überzogen und unfundiert der Satz auch war, bei mir hat er einen Eindruck hinterlassen. Es lohnt sich, diese Kette fortzuführen.

Bildquelle: Evan Kirby via Unsplash

Lifestyle Business

2016-07-21 lifestyle-business v01

In einem Tim Ferriss Podcast erwähnt Chris Sacca nebenbei den Begriff „Lifestyle Business„. Er bezeichnet damit Unternehmen, deren Geschäftsmodell genug Geld erwirtschaftet, um den Besitzern und Mitarbeiter ein komfortables Leben zu ermöglichen aber mehr nicht. Solche Unternehmen wachsen nicht rapide und erzielen keine 5x, 10x, 100x-fachen Wertsteigerungen für institutionelle Investoren. Er habe grundsätzlich Respekt für diese Unternehmensform, sie sei jedoch als Investitionsgelegenheiten verständlicher Weise uninteressant.

Den Begriff und vor allem diese Form der Unternehmens-Kategorisierung finde ich hochinteressant. In der Tat sind viele – wenn nicht sogar die meisten der Unternehmen, die man kennt – in der Hand von Investoren oder gar an der Börse notiert. Der Großteil der Gewinne und der Unternehmenswert als solches fließt somit zu erheblichen Teilen an externe Investoren. Das Hauptziel der Investoren ist es, diese Geldbeträge irgendwann abzuschöpfen. Die Mitarbeiter im Unternehmen werden nach unterschiedlichen Kriterien gemessen und entlohnt, allerdings werden sie grundsätzlich nie unmittelbar an der Unternehmensentwicklung und Wertsteigerung profitieren. Das ist wohlbekannt und logisch, allerdings schärft der Begriff Lifestyle Business – zusammen mit dem latent rechtfertigenden Unterton – die Sinne für diesen Aspekt des modernen Unternehmertums; vor allem dafür, wer vom Unternehmenserfolg hauptsächlich profitiert.

Wohl dem, der Anteile an einem Unternehmen hält oder gar alleiniger Gesellschafter ist. Hier fließen die Gewinne und die Wertentwicklung in die Hände derer, die das Unternehmen betreiben. Interessant ist auch, dass die Vermeidung von Investoren einen Raum schafft, in dem ein Unternehmen langfristig auch ohne erhebliches Wachstum existieren kann. Bei dieser Betrachtung sind natürlich die Vorteile von Investitionskapital (z.B. mehr Liquidität für schnelleres Wachstum, Know-How-Transfer durch zusätzliche Stakeholder, etc.) unberücksichtigt. Hier ein Artikel auf Medium In Defense of Lifestyle Businesses, der noch ein paar weiter Aspekte aufgreift (man findet dort auch eine pfiffige Geschäftsidee des Autors).

Bildquelle: Bench Accounting via Unsplash

Tiny House Movement

2016-06-05 tiny-house-movement v01

Bei der Tiny House-Bewegung dreht sich alles um das Ziel, angenehmes und erfülltes Wohnen auf möglichst kleiner Grundfläche zu realisieren. Dazu werden die Elemente einer Wohnung pfiffig und platzsparend kombiniert.

Die Gründe sich für ein Tiny Home zu entscheiden sind unterschiedlich. Für manche Menschen steht Minimalismus oder der schonende Umgang mit Ressourcen im Vordergrund. Für Andere besteht schlicht die Notwendigkeit, in begehrten Wohngegenden mit hohen Quadratmeterpreisen, z.B. in New York oder London, aus kleinen Wohnungen das Beste zu machen. In den letzten Jahren ist daraus ein Trend gewachsen, der meines Erachtens noch lange andauern und mit zunehmender Bevölkerungszahl in Großstädten immer relevanter werden wird.

Ich habe von Tiny Houses über einen TED-Talk von Graham Hill den Weg zu seinem Projekt LifeEdited gefunden. Seitdem folge ich dem Blog und bekomme regelmäßig Neuigkeiten aus der Szene, Architekturbeispiele pfiffiger Tiny-Apartments und Anregungen für ein einfacheres Leben zugeschickt. Die Idee dahinter ist gut und ich kann regelmäßig Konzepte und Anregungen davon auch in meinen Alltag einfließen lassen.

Es gibt einen Film auf Vimeo mit dem passenden Namen TINY: A Story About Living Small. Ein schönes Beispiel für ein Tiny House auf Rädern finde ich in diesem Video beschrieben. Ein Beispiel für ein Tiny Apartment in Hongkong gibt es hier. Es gibt inzwischen auch viele Communities für Tiny Houses, wo Know-How und Grundrisse ausgetauscht werden.

Weitere Informationen:

Bildquelle: Jon Ottosson via Unsplash

Kaufen ist wie Wählen

2016-05-13 kaufen-ist-wie-waehlen v01

Mir ist im Laufe der Jahre äußerst bewusst geworden, dass jeder Kauf wie die Abgabe eines Stimmzettels am Wahlsonntag ist.

Dort wo man sein Geld lässt, wird Nachfrage signalisiert. Unternehmen werden auf dieses Signal mit einer Erhöhung des Angebotes reagieren. Dieses Prinzip ist eine der wirksamsten Grundregeln unserer Gesellschaft.

Natürlich kommt es vor, dass man mit seiner Stimme der Minderheit angehört und Unternehmen andere, stärkere Kaufsignale einer breiteren Masse nachverfolgen. Aber genau wie bei einer politischen Wahl, hat man nur dann die Chance eine Mehrheit zu erzeugen, wenn man sich aktiv beteiligt. Dort wo man sein Geld lässt, setzt man ein konkretes Zeichen. Deshalb gebe ich mir Mühe, bewusst und strategisch zu kaufen.

Ein gutes Beispiel dafür sind Biosupermärkte. Fast alle Nahrungsmittel kaufe ich im Biosupermarkt. Das würde ich auch unabhängig von Schadstoffbelastung und Geschmack der Lebensmittel tun, weil ich das System – also nachhaltige Landwirtschaft und Vermeidung von Tierquälerei – unterstützen möchte. Da diesen Wunsch glücklicherweise viele Menschen teilen, wächst die Bio-Branche in den letzten Jahren stetig.

Manchmal kaufe ich bewusst verhältnismäßig teure Produkte einer mir sympathischen, kleinen Firma, z.B. auf Kickstarter. Ich weiß gut aus eigener Erfahrung wie schwer es für kleine Unternehmen ist, mit geringen Stückzahlen gute Einkaufspreise zu erhalten. Ihre Produkte sind daher oft unverhältnismäßig teurer, als die von großen Unternehmen mit hohem Einkaufsvolumen. Doch gute Unternehmen können nur dann wachsen und effizienter werden, wenn ihre Produkte gekauft werden.

Umgekehrt probiere ich zu vermeiden, Schnäppchen bei einer profitorientierten Firma ohne Moral zu kaufen. Auch wenn ich persönlich davon einen Vorteil hätte, würde es Wasser auf die Mühlen eines Systems bedeuten, das ich nicht unterstütze. Gerade dort fällt es auch mir manchmal schwer, das Bewusstsein zu entwickeln, dass ein Kauf niemals anonym und ohne Konsequenzen ist. Jeder Kauf ist die Abgabe einer Stimme. Meiner Stimme.