Typ 1 und Typ 2 Entscheidungen

2016-07-08 typ-1-und-typ-2-entscheidungen v01

Manchmal fällt es schwer Entscheidungen zu treffen, insbesondere wenn man sich der Konsequenzen nicht sicher sein kann. Nun ist gerade Sicherheit bei einem Großteil wichtiger Entscheidungen nicht vergönnt. Eine gute Erinnerung daran, dass es dabei jedoch Abstufungen zu berücksichtigen gibt, liefert Amazon Chef Jeff Bezos in einem Brief an die Aktionäre.

Some decisions are consequential and irreversible or nearly irreversible – one-way doors – and these decisions must be made methodically, carefully, slowly, with great deliberation and consultation. If you walk through and don’t like what you see on the other side, you can’t get back to where you were before. We can call these Type 1 decisions.

Typ 1 Entscheidungen sind also solche, die nur sehr schwer oder gar nicht rückgängig zu machen sind und daher nur methodisch und mit sorgfältiger Beratung und Analyse getroffen werden sollten.

But most decisions aren’t like that – they are changeable, reversible – they’re two-way doors. If you’ve made a suboptimal Type 2 decision, you don’t have to live with the consequences for that long. You can reopen the door and go back through. Type 2 decisions can and should be made quickly by high judgment individuals or small groups.

Hier liegt der Knackpunkt. Die meisten Entscheidungen  sind bei genauer Betrachtung nicht unumkehrbar. Wenn man die Konsequenzen nicht mag, gibt es einen Weg zurück. Damit ist nicht gemeint, dass alle spurlos verlaufen muss. Ohne Frage kann eine ungünstige Entscheidung Zeit oder Geld kosten und mit Unannehmlichkeiten verbunden sein. Doch fast immer gehen auch positive Seiten wie Lernerfahrung und neue Erkenntnisse damit einher. Solange etwas prinzipiell Rückgängig zu machen ist, muss man sich nicht davor scheuen es zu versuchen und ein Risiko einzugehen. Bezos bezieht das besonders auf das Unternehmensumfeld, wo auch nach meiner Beobachtung große Unternehmen dazu neigen, Sicherheit zu fordern und Fehler um jeden Preis vermeiden zu wollen.

As organizations get larger, there seems to be a tendency to use the heavy-weight Type 1 decision-making process on most decisions, including many Type 2 decisions. The end result of this is slowness, unthoughtful risk aversion, failure to experiment sufficiently, and consequently diminished invention. We’ll have to figure out how to fight that tendency.

Mehr zu diesem Thema: Jeff Bezos: There are 2 types of decisions to make, and don’t confuse them (Business Insider)

Bildquelle: Hans Braxmeier via Pixabay

Go First

2016-07-07 go-first v01

Im Tim Ferriss Podcast empfiehlt Gabby Reece an einer Stelle die generelle Grundeinstellung „Go First!„. Du erkennst jemanden auf der Straße: sage „Hallo“ zuerst. Du hast Augenkontakt mit einem Fremden: lächle zuerst. Du siehst etwas, das nicht richtig ist: sprich es aus. Du siehst jemand, der traurig ist: sage ein paar tröstende Worte.

Go First – Mache den ersten Schritt!

Meine Mutter ist darin unglaublich gut. Ich erinnere mich an eine Situation bei einem Arzt. Wir saßen in einem vollen Wartezimmer und schräg gegenüber eine Frau, der Tränen über das Gesicht liefen, die sie sich regelmäßig wegwischte. Ich sah es, auch andere erkannten die Situation, und ich fühlte eine unangenehme Spannung. Ich glaube, vielen geht es gleich. Man möchte zwar etwas tun, aber man redet sich ein, man könne ja eh nichts ausrichten. In der Sekunde, in der meine Mutter realisiert, dass die Frau weint, sucht sie zügig ein Taschentuch aus Ihrer Tasche, geht zu der Frau, gibt ihr mit einem freundlichen, mitfühlenden Lächeln das Taschentuch in die Hand, setzt sich kurz neben sie und legt den Arm leicht um sie. Die Frau fängt an zu lächeln und ist sichtlich berührt.

Es hat mich in dem Moment wie eine Keule getroffen. Natürlich kann man etwas machen! Man kann vielleicht den Grund des Schmerzes nicht beseitigen, aber man kann trösten, vorsichtig Anteil nehmen, zeigen dass es einem nicht egal ist. Wir sind alle Menschen und es macht einen gewaltigen Unterschied, ob man Teil einer anonymen, passiven Masse ist oder etwas tut. Ein Versuch reicht schon aus. Go First! Die Worte helfen mir, mich daran zu erinnern. Seitdem lächle ich leicht, wenn ich Menschen auf der Straße in die Augen blicke – tatsächlich lächeln viele, wenn nicht gar die meisten, zurück. Wenn ich auf der Straße Personen erkenne, z.B. weil ich sie auf dem Weg zur Arbeit regelmäßig treffe, beginne ich zu grüßen, lächle und nicke ihnen freundlich zu. Nach kurzer Zeit, fängt man an, sich regelmäßig zu grüßen. Ich probiere den ersten Schritt zu machen. Es sind kleine aber herzliche Gesten. Es macht einen Unterschied und es macht tatsächlich Freude.

Bildquelle: Nancy Byer via Magdeleine

Derek Sivers

2016-07-06 derek-sivers v01

Es gab eine Zeit, da ist mir Derek Sivers mehrfach online über den Weg gelaufen, ohne dass ich ihn besonders wahrgenommen habe. So sah ich einst seinen TED-Talk How to start a movement, der auf äußerst witzige Art zeigt, dass Führung mit Mut und dem Risiko sich lächerlich zu machen einhergeht. Als nächstes wurde mehrfach die hervorragend geschriebene Bestellbestätigung eines Online-Shops erwähnt, die zeigt, wie man mit nur geringfügig mehr Mühe und Einfallsreichtum aus einem gewöhnlichen Vorgang ein unglaublich erfolgreiches Ergebnis erzielen kann. Erst als er auf der Bühne des World Domination Summits in Portland ein paar Lerneffekte aus seinem Leben berichtete, habe ich den Namen bewusst abgespeichert.

Viele Menschen kennen Derek Sivers, weil er in den USA die Firma CD Baby, einen Musikvertrieb für Independent Music, gründete und nach ein paar Jahren für zig Millionen Dollar verkaufte. Das Geld hat er größtenteils für gemeinnützige Zwecke gespendet und lebt seitdem abschnittsweise in verschiedenen Ländern und schreibt sein Blog. Das geniale an ihm ist, wie außergewöhnlich lässig, sympathisch und im Kern intelligent er damals seine Firma betrieben hat. Er beschreibt das ausführlich in seinem Buch Anything You Want, dass ich jedem Unternehmer 1 nur dringend empfehlen kann.

Einen guten Einblick in seine Denkweise bekommt man in seinem sehr gelungenen Interview mit Tim Ferriss. Auch sein Blog ist sehr empfehlenswert. Dort stellt er unter anderem seine Notizen aus vielen Büchern zu persönlich Weiterbildung bereit. Gerade wenn man ein Buch davon schon gelesen hat, ist die kurze Lektüre seiner Notizen eine praktische Auffrischung des Inhalts.

Bildquelle: Derek Sivers Blog


  1. In diesem Kontext würde ich noch das Buch REWORK von Jason Fried, dem Unternehmer hinter Basecamp, empfehlen, das ebenfalls eine erfrischende und lehrreiche Sicht auf Unternehmensführung bietet. 

iPhone Foto-Papierkorb

2016-07-05 iphone-foto-papierkorb v01

Löscht man ein Foto oder Video auf dem iPhone, so wird es für 30 Tage in dem Album Zuletzt gelöscht aufbewahrt und kann von dort wiederhergestellt werden. Diese Funktion wurde schon mit iOS 8 Ende 2014 eingeführt aber es hat bei mir eine Weile gedauert, bis ich diese Funktionalität im Hinterkopf hatte. Es funktioniert so ähnlich wie der Papierkorb für Dateien auf dem Computer, nur dass nach Ablauf der 30 Tage automatisch endgültig gelöscht wird. In dem Album wird unter jedem Foto die Anzahl verbleibender Tage bis zur endgültigen Löschung angezeigt und natürlich kann man auf Wunsch auch sofort löschen.

Diese Funktion ist nützlich, um ein aus Versehen gelöschtes Foto wiederherzustellen aber sie hat bei mir noch einen anderen Effekt, der mir den Umgang mit der Flut digitaler Bilder etwas erleichtert: das Löschen von Fotos fällt mir leichter. Oftmals schieße ich mehrere Fotos von einem Motiv, um auf Nummer sicher zu gehen. Solche Serien sammeln sich schnell an und man tut gut daran, nur das beste Motiv zu behalten und die anderen zu löschen. Vor dem Foto-Papierkorb hatte ich merklich Vorbehalte auch schlechte Fotos zu löschen, da die Entscheidung nicht mehr Rückgängig zu machen war. Mit dem Papierkorb als Sicherheitsnetz im Hinterkopf, fällt es mir leichter zu Löschen. Wenn mir das Ergebnis nicht gefällt und ich Zweifel habe, gehe ich einfach in das Album Zuletzt gelöscht und stelle das Foto wider her.

Bean-to-Bar Schokolade

2016-07-04 bean-to-bar schokolade v01

Wie bei gutem Wein und Kaffee, so gibt es auch bei Schokolade passionierte Hersteller, die vom Rösten der Kakaobohnen bis hin zur Verarbeitung zur Tafelschokolade alles unter einem Dach durchführen. Für auf diese Weise hergestellte Köstlichkeiten hat sich der Begriff Beant-to-Bar oder Artisan Chocolate etabliert. Ein solche Tafel kann schon mal 10 EUR oder mehr kosten aber wie auch in anderen Nahrungsmitteln ist der Qualitätsunterschied im Vergleich zu industriell hergestellten Varianten deutlich spürbar.

Aufmerksam wurde ich zunächst auf die Schokolade von Mast Brothers aus New York, die vor allem durch die schlicht und geschmackvoll verpackten Tafeln und die vielen Geschmacksrichtungen auffällt. Bei einem Besuch in San Francisco stieß ich auf Dandelion Chocolate und war sowohl von der Qualität als auch der Gestaltung hellauf begeistert. Gerade mal ein Jahr später fand ich den Laden auf der anderen Straßenseite wieder, stark vergrößert in einem schönen Backsteingebäude, in dem von der Röstung bis zum Ausschank von Spezialitäten in Form heißer Trinkschokolade alles unter einem Dach perfekt in Szene gesetzt wird. Wirklich beeindruckend!

Doch man muss nicht in die Ferne schweifen, denn auch in Deutschland wird hervorragende Schokolade produziert. Von Goldhelm habe ich schon berichtet. In Berlin gefällt mir Wolfarth Schokolade, die köstlichen Salzstäbchen anbieten und im Auftrag die hervorragende Sal de Ibiza Schokolade herstellt. Das Blog Chklt.net pflegt eine Bestenliste für Schokolade, durch die ich mich mal durchprobiert habe.

Bildquelle: Jacqueline Macou via Pixabay

Pixar Braintrust

2016-07-03 braintrust v01

Im Artikel Inside The Pixar Braintrust wird das Konzept eines Braintrust erläutert, dass als Erfolgsrezept der Filmschmiede Pixar gilt. Es soll dafür verantwortlich sein, das Pixar 14 Kassenschlager hinterheinander produzieren konnte. Bei den Braintrust-Meetings kommen mehrere fähige Filmemacher zusammen, um dem Regisseur ehrliches Feedback zu dem Fortschritt des Films zu geben. Die Betonung liegt auf „candid feedback“ also offenen und ehrlichen Meinungen. Die Ergebnisse des Meetings erzeugen zwar keinen formalen Handlungsdruck für den Regisseur, allerdings wird in dem Artikel hervorgehoben, wie maßgeblich sich die Filme durch die Gespräche in dieser Runde in der Regel verändert haben.

Besonders gut gefällt mir folgende Stelle, die meines Erachtens stellvertretend für alle kreativen Tätigkeiten gilt:

(…) early on, all of our movies suck. That’s a blunt assessment, I know, but I choose that phrasing because saying it in a softer way fails to convey how bad the first versions really are. I’m not trying to be modest or self-effacing. Pixar films are not good at first, and our job is to make them so—to go, as I say, ‚from suck to not-suck.‘

-Ed Catmull in Creativity, Inc.

Erst durch offenes Feedback von einem kompetenten und erfahrenen Team kann in der Regel ein außergewöhnlich hochwertiges Ergebnis erzielt werden. Ed Catmull, Autor des Buches Creativity, Inc., war mal im Podcast bei Tim Ferriss. Seine Ansichten, insbesondere seine Ansicht zu seiner persönlichen Relevanz bei der Erschaffung einer Erfolgsgeschichte wie Pixar, fand ich sehr erfrischend und tiefsinnig.

Weitere Informationen zum Braintrust-Prinzip gibt es auch in diesem Disney Institute Artikel.

Bildquelle: Buchcover Creativity, Inc

Philosophy and Riches

2016-07-02 philosophy-and-riches v01

The acquisition of riches has been for many men, not an end, but a change, of troubles.
— Epicurus

Der Stoiker und Philosoph Seneca schreibt in einem seinem Brief an Lucilius mit dem Titel on Philosophy and Riches über die Kehrseite von Reichtum. Dabei spricht er aus Erfahrung, denn er war zu seinen Lebzeiten ein erfolgreicher Geschäftsmann, Berater des Kaisers und einer der reichsten Männer in Rom. Er empfiehlt Lucilius nicht nach Reichtum, sondern nach Wissen und Bildung zu streben.

(…) strive toward a sound mind at top speed and with your whole strength

Dabei adressiert er sofort den typischen Einwand, man müsse zuerst nach finanzieller Absicherung streben, um danach in Ruhe und ohne Sorge die Zeit für Wissen und Weisheit investieren zu können. Es sei sogar eine weit bessere Voraussetzung in Bescheidenheit und weitgehend in Ruhe zu Lernen, anstatt umgeben von Verpflichtungen und Ablenkung den richtigen Zeitpunkt zum Kürzer treten bemessen zu müssen.

Doubtless, your object, what you wish to attain by such postponement of your studies, is that poverty may not have to be feared by you.
But what if it is something to be desired? (…)
If you wish to have leisure for your mind, either be a poor man, or resemble a poor man. Study cannot be helpful unless you take pains to live simply; and living simply is voluntary poverty. (…)

Seneca erinnert daran, dass es sehr relativ ist, wie man sein Wohlstand bemisst. Aber ein gesunder Minimalismus sei relativ gleichbleibend über alle Zeiten und Zivilisationen hinweg.

Change the age in which you live, and you have too much. But in every age, what is enough remains the same.

Besonders in Erinnerung ist mir der Hinweis geblieben, dass auch Reichtum seine Schattenseiten hat und es in der Regel einzig der Mensch selbst ist, der entweder in der Lage ist mit vielfältigen Situationen glücklich zu sein oder eher das Schlechte zu sehen. Immer wieder beobachte ich erfolgreiche und wohlhabende Menschen, die ganz und gar nicht glücklich erscheinen. Seneca findet dafür sehr gute Worte:

For the fault is not in the wealth, but in the mind itself. That which had made poverty a burden to us, has made riches also a burden. Just as it matters little whether you lay a sick man on a wooden or on a golden bed, for whithersoever he be moved he will carry his malady with him; so one need not care whether the diseased mind is bestowed upon riches or upon poverty. His malady goes with the man.

Bildquelle: Wikipedia

Passwort-Sicherheit

2016-07-01 passwort-sicherheit v01

Fast jeder lebt heutzutage mit der Herausforderung, eine Vielzahl von Zugangsdaten verwalten zu müssen. Für alle Dienste ein unterschiedliches Passwort im Kopf zu behalten, ist praktisch unmöglich. Stets die gleichen- oder leicht zu erratende Passwörter für jeden Dienst zu verwenden ist ebenfalls keine gute Lösung, da Benutzerdaten ein begehrtes digitales Diebesgut sind, mit dem auch tatsächlich Schaden angerichtet werden kann.1 Man muss es meines Erachtens nicht übertreiben mit der Passwortsicherheit aber eine gewisse Grundabsicherung und Verantwortung im Umgang damit, sollte in unserer digitalen Welt zum Allgemeinwissen gehören.

Folgende Techniken helfen mir dabei einen Kompromiss aus Sicherheit und Praktikabilität zu wahren:

  1. Man merkt sich eine überschaubare Anzahl sicherer Passwörter für kritische Dienste (z.B. Online-Banking, Paypal, Apple, Google, Amazon). Zusätzlich sollte man sie an einem sicheren Ort für sich und im Notfall für Angehörige verwahren. Für absolut unkritische Dienste (z.B. Online-Shops ohne hinterlegte Zahlungsdaten) kann man ruhig ein leicht zu merkendes persönliches Standardpasswort verwenden.
  2. Man nutzt einen Passwortmanager wie Lastpass oder 1Password. Dort macht man sich einmal einen Account mit einem sehr sicheren Passwort und kann dann dort beliebig viele Zugänge von mittelwichtigen oder unkritischen Diensten hinterlegen. Ein enormer Vorteil ist, dass die Passwortdaten im Browser durch ein Plugin und auf dem Smartphone durch eine App automatisch ausgefüllt werden können. Dadurch ist es möglich, unterschiedlich generierte Passwörter beliebiger Länge und Komplexität zu verwenden. Zusätzlich behält man innerhalb des Passwortmanagers die Übersicht über seine Zugänge und kann ab und zu veraltete Konten schließen.
  3. Man nutzt 2-Faktor-Authentifizierung bei wichtigen Diensten. Mit dieser Technik muss man beim ersten Login auf einem neuen Gerät zusätzlich zum Passwort einen auf dem Smartphone generierten Code eingeben. Ich kann nur empfehlen, es bei einem wichtigen Dienst mal zu probieren, um mit der Technik vertraut zu werden. Bei Apple funktioniert das ohne extra App, für alle anderen kann man die Google Authenticator App oder Authy nutzen. Da man das Handy immer dabei hat, ist das gar kein Problem.

Alle diese Schutzmechanismen lassen sich theoretisch von pfiffigen Ganoven überwinden. Die häufigste gewählte Methode ist, den Benutzer durch eine Phishing Mail zu täuschen und zur Eingabe seiner Zugangsdaten in eine gefälschte Website aufzufordern. Wenn man skeptisch ist und wenige Grundprinzipien bei der Analyse von E-Mails beachtet, kann man sich dem normalerweise entziehen. Bei aktivierter 2-Faktor-Authentifizierung, scheitert diese Betrugstechnik in der Regel.

Bildquelle: Leeroy via Life of Pix


  1. Immer wieder liest man in der Presse das Anbieter gehackt werden und die Passwortdaten der Nutzer gestohlen und im Internet zum Verkauf angeboten werden. In diesem Fall ist egal, wie kompliziert das eigene Passwort war, es ist von da an öffentlich zugänglich und kann auch zum Login bei anderen Diensten ausprobiert werden. Deshalb sollte man nie bei zwei Diensten identische Passwörter verwenden. 

Durchschnitt Deines Umfelds

2016-06-30 durchschnitt-deines-umfelds v01

You are the average of the five people you spend the most time with.
– Jim Rohn

Vom Geschäftsmann und Motivationstrainer Jim Rohn stammt das Zitat, man sei der Mittelwert der 5 Menschen mit denen man am meisten Zeit verbringt. Ich sehe diesen Satz im übertragenen Sinne immer wieder bei mir selbst aber auch anderen Menschen bestätigt. Wir sind soziale Wesen und Gemeinschaft seit Jahrtausenden gewohnt. Der Vergleich mit anderen ist ein wichtiges Kriterium für unsere Handlungen. Der Einfluss des Umfelds auf Menschen und deren persönliche Entwicklung ist daher enorm.

Alain de Botton beschreibt in seinem TED-Talk die Auswirkung anderer Menschen auf die eigene Bewertung von Erfolg. Je vertrauter uns Menschen erscheinen, desto stärker vergleichen wir uns mit ihnen und leiten daraus ab, was möglich, normal und erstrebenswert ist. Täglich tun wir wie selbstverständlich Dinge, die für unsere Vorfahren unfassbar wären. Doch vielen Menschen in Deutschland fällt es schwer sich über den hohen Lebensstandard und die vielen Errungenschaften in Bereichen wie Freiheit, Gesundheit, Bildung und Technik zu freuen. Der Vergleich mit weit entfernt lebenden Menschen fällt einfach schwerer als der mit unseren Kollegen, Freunden oder Nachbarn. Es zeigt deutlich, dass wir was uns motiviert aber auch was uns frustriert relativ zu unserem Umfeld bemessen.

Darum sollte man sein Umfeld mit Sorgfalt auswählen und den Kontakt zu solchen Menschen suchen, denen man gerne ähneln möchte. Dabei habe ich festgestellt, dass man diese Personen nicht zwangsläufig persönlich kennen muss. Es funktioniert auch, möglichst viel Zeit mit jemandem über Bücher, Interviews oder Fernsehsendungen zu verbringen. Bei mir habe ich in letzter Zeit erschreckend deutlich beobachtet, dass ich Meinungen, Techniken und Denkweisen von Leuten annehme, denen ich in den letzten Jahren über das Internet folge. Für mich ist das eine gute Nachricht, denn es zeigt wie viel Einfluss man durch seine eigenen Entscheidungen auf seine persönliche Entwicklung ausüben kann.

Bildquelle: Mariya Georgieva via Unsplash

Meditation

2016-06-29 meditation v01

Der Begriff Meditation ist mit vielen Vorurteilen verbunden. Auch ich hätte ihn bis vor wenigen Jahren mit Spiritualität, Aberglaube und gar Übersinnlichkeit in Verbindung gebracht. Doch als viele erfolgreiche Gäste im Podcast von Tim Ferriss, von Hollywood-Stars, über Musiker bis hin zu Investoren, über ihren Meditationstechniken sprachen, wurde ich neugierig und habe es ausprobiert. Ich würde Meditation als eine Art Workout für den Kopf beschreiben. Das Ziel ist, den kontinuierlichen und schwer kontrollierbaren Strom von Gedanken – die Buddhisten nennen das treffend „Monkey Mind“ – zu unterbrechen. Eine klassische Metapher für diesen Effekt ist ein mit Wasser und Sand gefülltes Glas. Solange man es umrührt oder schüttelt und alles in Bewegung ist, erscheint der Inhalt trübe und alles schwimmt wild durcheinander. Gelingt es aber über längere Zeit neue Impulse zu vermeiden, singt der Sand langsam zu Boden und das Wasser wird klar. Es ist dieser geordnete, ungetrübte Bewusstseinszustand, den man durch Meditation erreichen möchte. Wie in diesem TED-Talk von Matthieu Ricard sympathisch erklärt gibt es inzwischen viele wissenschaftliche Studien darüber, dass sich durch Meditation trainierte Gehirne von untrainierten Gehirnen unterscheiden.

Als Ausgangspunkt dient meistens die eigene Atmung, da man logischerweise weiter atmen muss und gleichzeitig die rhythmische Bewegung eine willkommene Ablenkung von den eigenen Gedanken ist. Jeder der es ausprobiert wird schnell feststellen, wie unglaublich schwer es fällt, nicht durch willkürliche Gedanken oder Sinneseindrücke abgelenkt zu werden. Meist stellt man erst mit einer Verzögerung fest, dass man wieder in Gedanken ist und die letzten Sekunden oder gar Minuten abgelenkt war. Mir hat der Hinweis sehr geholfen, dass dieses Verhalten normal und nicht schlimm ist. Es geht vielmehr darum nach dem Bemerken der Ablenkung, den Gedanken fallen zu lassen und unverdrossen zu seiner Atmung zurückzukehren. Es ist wie mit Übungen im Fitnessstudio. Jede Rückkehr zur Atmung stärkt die Technik und mit der Zeit wird die eigene Leistungsfähigkeit besser werden. Es geht um das Training und nicht um die fehlerfreie Umsetzung. Solche Akzeptanz ist ebenfalls ein wichtiges Grundprinzip der Meditation.

„If you don’t have 15 minutes per day to meditate… you need 4 hours“
(Sam Harris)

Ein bewährtes Rezept ist täglich 15-20 Minuten zu meditieren. Morgens eignet sich nach meiner Erfahrung besser als abends, da man ausgeruhter ist und nicht Gefahr läuft vor lauter Ruhe und Entspannung einzuschlafen. Zudem kann man die so die Vorteile eines geordneten Gemüts mit in den Tag nehmen. Ein idealer Einstieg sind Apps wie Headspace oder Calm, die das Konzept erklären und mit Sprachausgabe durch die Übungen führen. Langfristig kann man sich ein eigenes Ritual angewöhnen oder auf Wunsch geführte Meditationen als Audiodatei, z.B. von Tara Branch oder Sam Harris, laden. Transzendental Meditation (TM) ist eine Art Markenprodukt unter den Meditationstechniken und hat sich durch eine begeisterte Anhängerschaft stark verbreitet.1 Aber auch Walking Meditation, eine Art bewusstes Spazierengehen, funktioniert und selbst regelmäßige kurze Achtsamkeits- oder Atemübungen im Alltag können als Formen der Meditation eingesetzt werden.

Bildquelle: Ashes Sitoula via Unsplash 😉


  1. Es gibt einige Stars wie Oprah Winfrey, Jerry Seinfeld oder Rick Rubin, die TM offen als ihre präferierte Meditationsform anpreisen. Das System scheint zu funktionieren und auch in sich schlüssig und nicht negativ zu sein, allerdings beinhaltet es ein paar Aspekte, die sehr rationale Menschen (inklusive mir) eher abschreckt.