Choose Understanding Over Judgment

 

Versuche zu verstehen und nicht zu bewerten.

Diesen Satz habe ich in einem Artikel auf Brain Pickings (Punkt 8) gelesen und er fällt mir immer wieder ein.

Unless we are very, very careful, we doom each other by holding onto images of one another based on preconceptions that are in turn based on indifference to what is other than ourselves.

Es fällt schwer anderen Menschen reinen Herzens den Freiraum zu lassen, Dinge anders zu sehen oder anders zu handeln als man selbst es tun würde. Ich stolpere ständig darüber, wie ich meine eigene Meinung zeitweise als die einzig richtige ansehe, nur um dann manchmal durch neue Informationen oder Erfahrungen genau diese Meinung zu änderen. Auf ähnliche Weise erschließt sich mir manchmal das zunächst unerklärliche Verhalten eines anderen Menschen, nachdem ich mich näher mit den Umständen beschäftigt habe. Ich weiß also aus Erfahrung, dass ich nicht immer Recht habe. Und trotz alledem fällt es mir immer wieder schwer, anderen Meinungen und Verhaltensmustern mit aufrichtiger Offenheit und Verständnis entgegenzutreten.

Es kommt mir so vor, als ob früh von uns erwartet wird eine Meinung zu haben und darauf zu achten, ob diese auch richtig ist. In der Schule geht es ab frühster Kindheit um Richtig und Falsch, in den Nachrichten um Fakten und Informationen, im Fernsehen, Zeitschriften und im Internet werde die 10 besten- oder erfolgreichsten- oder schönsten Dinge gekührt. Es gibt wenig Raum für Ungewissheit. Eine Nebenwirkung unserer Wissensgesellschaft könnt sein, dass wir ständig auf der Suche nach der einen, richtigen Antwort sind. Toleranz ist zwar glücklicherweise ein vertrautes Konzept in Deutschlang aber Verständnis und Akzeptanz gehen noch etwas weiter.

Das Leben ist komplex. Je älter ich werde desto häufiger fällt mir auf, dass es viele Wege, viele Wahrheiten, viele richtige Antworten gibt, die sich teilweise sogar auf den ersten Blick gegenseitig ausschließen. Je stärker man von seiner eigenen Meinung überzeugt ist, desto schwerer fällt es den Blick dafür offen zu halten, dass auch andere Wege richtig sein können. Es scheint mir daher eine gute Angewohnheit zu sein, grundsätzlich zu versuchen zu verstehen und nicht zu bewerten. Und sei es, dass man im Gespräch bei Konfrontation mit einer anderen Meinung nicht bereits im Kopf die Gegenargumente vorbereitet, sondern aufrichtig zuhört und probiert, die Sicht des anderen zu verstehen. Vielleicht stößt man auf diese Weise sogar auf eine für alle Seiten noch bessere Wahrheit.

Artgerechte Haltung & Bewegung

2016-06-14 artgerechte-haltung-bewegung v01

Ich bin mittlerweile überzeugt davon, dass jeder zivilisierte Mensch, erst Recht jemand mit einem Bürojob, im Laufe seines Lebens Rückenschmerzen bekommen wird1. Der Grund dafür ist, dass wir uns nicht artgerecht bewegen und in einer unnatürlichen, technologisierten Welt leben; was grundsätzlich toll ist! Denn das geht einher mit viel Komfort, Sicherheit und Freiheit. Aber es hat auch Nachteile und birgt Gefahren für unsere langfristige Gesundheit. Denen sollten wir uns bewusst sein, um Ihnen entgegenwirken zu können.

Artgerechte Haltung bezeichnet eine Form der (…Haltung), die sich an den natürlichen Lebensbedingungen (…) orientiert und insbesondere auf die angeborenen Verhaltensweisen (…) Rücksicht nimmt.
Quelle: Artgerechte Haltung auf Wikipedia

Stillsitzen und die gleiche Körperhaltung über lange Zeit einnehmen ist für Menschen nicht artgerecht. Unsere Körper sind dafür gemacht sich zu bewegen, zu laufen, zur rennen, zu stehen, auf dem Boden zu ruhen. Regelmäßige, kontinuierliche Bewegung ist artgerecht für Menschen in natürlichen Lebensbedingungen. Es war über tausende Jahre normal und hat unseren Körper evolutionär geprägt. Durch Bewegung werden Muskeln ausgebildet, Sehnen gedehnt, Gewebe geschmeidig gehalten und durchblutet. Bewegung ist eine Grundannahme für das System. Es funktioniert nicht einwandfrei unter den Einflüssen eines Bürojobs, der Fahrt mit dem Auto, der Freizeit vor dem Fernseher. Und deswegen bekommen wir Probleme – unter anderem Rückenprobleme.

Muskeln sind für den Körper aufwendig zu versorgen und verbrauchen viel Energie. Werden sie nicht beansprucht, also anscheinend nicht gebraucht, werden sie vom Stoffwechsel abgebaut. Diese Systematik ist in der Natur sehr effizient, birgt aber die Gefahr, dass bei nicht artgerechter Haltung auch sinnvolle Muskeln abgebaut werden. Der Körper wird schwach und anfällig dafür in ungewohnten Situationen (z.B. bei schwerem Heben) erheblich abgenutzt oder verletzt zu werden. Auch unsere Sehnen sind für Bewegung optimiert und dazu da Stabilität zu geben, aufrechten Gang zu ermöglichen und Bewegungen zu vereinfachen. Wenn sie nicht oder zu einseitig beansprucht werden, ziehen sie den Körper in ungünstige Haltungsmuster und schädigen den Körper sogar.

Diese Gedanken aber auch die passenden Gegenmaßnahmen werden anschaulich in dem Kurs Maintain Your Body for Long Lasting Health & Mobility von Kelly Starrett und Jill Miller aufgezeigt, auf den ich durch dieses Interview mit Kelly Starret aufmerksam wurde. Die Inhalte des Kurses sollten meines Erachtens zur Grundausbildung für jeden modernen Menschen gehören.

Bildquelle: Wonderland via Flickr Commons


  1. Damit meine ich mit hoher Wahrscheinlichkeit der überwiegend große Teil. Ähnlich wie beim Rauchen wird es Ausnahmen geben, die diese Regel bestätigen ;) 

The Heroe’s Journey

2016-06-13 the-heroes-journey v01

Jeder erfolgreiche Romanautor oder Regisseur kennt das Konzept der Heroe’s Journey. Joseph Campbell hat es formuliert, nachdem er sich intensiv mit Mythen, Fabeln und Geschichten verschiedenster Kulturen auseinandergesetzt hat. Überraschenderweise folgen fast alle erfolgreichen Geschichten dieser charakteristischen Struktur, an der sich inzwischen auch der Großteil der Hollywood-Filme und Erfolgsromane orientieren.

Dabei wurde ich ursprünglich auf Joseph Campbell durch sein berühmtes TV-Interview mit Bill Moyers aufmerksam, das später zu dem Buch The Power of Myth verarbeitet wurde. Dem Buch konnte ich erstaunlich viele Lebensweisheiten entnehmen, was einleuchtet, wenn man sich diesen Absatz aus dem ersten Kapitel von Campbell’s berühmtesten Buch The Hero With a Thousand Faces liest:

It has always been the prime function of mythology and rite to supply the symbols that carry the human spirit forward, in counteraction to those that tend to tie it back. In fact, it may very well be that the very high incidence of neuroticism among ourselves follows the decline among us of such effective spiritual aid.

Mythologie hatte schon immer die Aufgabe, bewährte Hilfestellungen für das tägliche Leben der Menschen von Generation zu Generation weiterzutragen, und das schließt für mich die Geschichten der Religionen mit ein. Die Arbeit von Joseph Campbell schlägt dabei eine wichtige Brücke zwischen den nach heutigen Maßstäben unglaubwürdigen Erzählungen und den darin enthaltenen, äußerst realen und praktischen Lebensweisheiten. Es ist eine sehr nützliche Fähigkeit, Mythen und Geschichten der Religionen lesen zu können, und die darin enthaltenen Weisheiten zu verstehen.

Die Heroe’s Journey wird auch herrlich anschaulich in diesem TED Ed-Video erklärt:

Weitere Informationen:
Heroes Journey auf Brain Pickings

Bildquelle: TEDed-Video von Matthew Winkler

Newsreader

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Neben Newslettern gibt es noch eine zweite bewährte Methode, um bei Blogs oder Webseiten auf dem Laufenden zu bleiben: Newsreader. Ich persönlich nutze dieses Konzept seit Jahren und würde es am ehesten mit einer persönlichen Tageszeitung beschreiben, in der man sich die Inhalte aus unterschiedlichsten Quellen selbst zusammenstellen kann. Die Darstellung von Artikel in einem Newsreader ist sehr lesefreundlich, ähnlich dem Safari Lesemodus, und man kann Artikel diverser Websites auch offline, also z.B. auf Reisen im Flugzeug, lesen.

Wenn man einen Newsreader nutzen möchte, benötigt man zwei Komponenten: einen RSS-Dienst, der die persönlichen Abonnements verwaltet, und eine Newsreader-Anwendung, mit dem man die Artikel auf seinem Smartphone oder Computer abrufen kann.1 Die meisten Webseiten, Blogs und Nachrichten-Seiten bieten für RSS-Dienste sogenannte RSS-Feeds an, auf denen alle Artikel in vereinfachter Form abgelegt sind. Zunächst sollte man sich für den RSS-Dienst anmelden. Dieser verwaltet die persönliche Auswahl an Webseiten und behält den Überblick darüber, welche Artikel man schon gelesen hat. Ich nutze den kostenlosen Dienst Feedly aber es werden auch Feedbin, Feed Wrangler und andere Dienste empfohlen.

Als zweites entscheidet man sich für eine Newsreader-Anwendung. Feedly bietet eine eigene, kostenlose Anwendung an, die ich lange Zeit genutzt habe, die aber leider keine Offline-Funktionalität bietet. Inzwischen nutze ich Reeder auf dem iPhone, die zwar einmalig etwas kostet aber unter IT-Kennern einen hervorragenden Ruf genießt. Öffne ich die Reeder App werden mir alle neuen Artikeln von den mir ausgewählten Websites angezeigt und ich sie wahlweise in der App selbst oder auf der Website lesen. Ähnlich wie bei E-Mails wird dargestellt, welche Artikel man bereits gelesen hat und man kann thematisch ähnliche Webseiten gruppieren und chronologisch nach Veröffentlichungsdatum lesen.

Ich empfehle dringend Newsreader nicht für Nachrichtenseiten zu verwenden, da dabei zu viele Artikel auflaufen. Vielmehr kann man damit Blogs und fachspezifisiche Webseiten im Auge behalten, ohne regelmäßig dort nachschauen zu müssen.


  1. Es ist so ähnlich wie bei E-Mails, wo man einen Anbieter wählt (z.B. Gmail) und einen beliebige E-Mail-Software (z.B. Outlook oder Apple Mail) zum Abruf und Schreiben der E-Mails nutzt. 

Ketogene Diet

2016-06-11 ketogene-diet v01

In der Gesundheits- und Performance-Welt tauchen immer wieder Fachleute auf, die die Ketogene-Diet (engl. Ketogenic Diet) einhalten und nur minimal Kohlenhydrate aber große Mengen Fett und Eiweiß zu sich nehmen.

Es ist allgemein bekannt, dass der Körper Fett als Energiespeicher anlegt und bei Bedarf, wenn nicht genügend Nahrung aufgenommen wird, verbrennen kann. Die Körperzellen schalten dann von Glucoseverbrennung auf Fettverbrennung um, was man Ketose nennt. Diesen Stoffwechselzustand kann man nicht nur durch fasten, sondern auch durch minimale Kohlenhydrat-Aufnahme herbeiführen. Wenn man in Ketose ist, kann man große Mengen Fett zu sich nehmen ohne zuzunehmen, da der Körper Fett als primäre Energiequelle verwendet und es ständig verbrennt.

Es gibt Hinweise darauf, dass die meisten Krebszellen diese Umstellung nicht mitmachen können und bei Ketose unterversorgt werden. Mehr und mehr lese ich von Menschen, die unter anderem deshalb ihre Ernährung umgestellt haben. Weiterhin soll dieser Zustand sehr effizient sein und auch für Sportler Vorteile bieten. Dr. Peter Attia ist Fachmann auf diesem Gebiet und erklärt in diesem Vortrag die von ihm praktizierte Ketogenic Diet und die Auswirkungen auf seine Gesundheit.

Weitere Informationsquellen:

Bildquelle: pelambung via Pixabay

Marshmallow-Experiment

2016-06-10 marshmallow-experiment v01

Das Stanford Marshmallow Experiment ist ein herrlich anschauliches Beispiel dafür, dass es sich auszahlen kann Geduld zu haben. In den 60er-Jahren wurden eine Reihe von Tests durchgeführt, bei denen man Kindern einen Marshmallow gab, zusammen mit dem Zusage einen Zweiten zu erhalten, wenn sie mit dem Verzehr noch etwas warten würden. Die Kinder wurden dann, zusammen mit dem Marshmallow, alleine gelassen. Nun wurde die Zeit gemessen, die das Kind auf die Rückkehr des Wissenschaftlers warten konnte.

In nachfolgenden Studien stellte sich heraus, dass Kinder die länger durchhielten, später im Leben in vielen Messkriterien, z.B. akademischen Erfolg, Body-Mass-Index und anderen Messgrößen der Lebensqualität, besser gestellt waren als die Impulsesser. Daraus wurde geschlussfolgert, dass die Fähigkeit durchzuhalten für eine in Aussicht gestellten Belohnung (im Fachjargon Belohnungsaufschub und im englischen Delayed Gratification) eine relevante Fähigkeit für den persönlichen Erfolg darstellt.

Ich finde das plausibel. Bei vielen lohnenswerten Vorhaben, z.B. gesunder Ernährung, Sport, persönliche Finanzen, Beziehungen, gibt es Phasen der Entbehrung, die nachvollziehbar wichtig für den späteren Erfolg sind. Wem es schwer fällt durchzuhalten, dem Entgehen oftmals die langfristigen Vorteile.

Ein herrlich amüsantes Video einer nachgestellten Marshmallow-Studie, durch das ich vor vielen Jahren überhaupt nur von dem Experiment erfahren habe, findet sich hier:

Weitere lesenswerte Artikel zu diesem Thema:

Bildquelle: IGNITER MEDIA

Lifefactory Wasserflaschen

2016-06-09 lifefactory-wasserflaschen v01

Auf der Suche nach einer Schnullerflasche aus Glas bin ich über die Produkte von Lifefactory gestolpert. Ziemlich schnell kaufte ich auch die größeren Varianten und seitdem sind die Flaschen bei mir sprichwörtlich täglich im Einsatz. Zum Beispiel stelle ich eine gefüllte Wasserflasche jeden Abend auf meinen Nachttisch.

Die Glasflaschen haben einen charakteristischen Silikonüberzug, der gleich mehrere Funktionen erfüllt. Einerseits schützt er das Glas erfolgreich bei Stürzen. In sieben Jahren mit regelmäßigen Unfällen ist uns nur eine von ca. acht Flaschen kaputt gegangen. Zudem fühlt sich der Bezug gut und griffig an und bringt etwas Farbe ins Spiel.

Es gibt mehrere Deckelvarianten. Der geschlossene Schraubdeckel schließt komplett dicht, lässt sich aber nicht mit einer Hand öffnen. Die Version mit einer Trinköffnung, die nur locker mit einer Silkonabdeckung verschlossen wird ist meine Wahl für den Nachttisch. Alle Deckel haben einen praktischen Tragegriff. Ach ja, die Reinigung in der Spülmaschine funktioniert tadellos auch über Jahre hinweg.

Systeme statt Ziele

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Jeder kennt den guten Rat erfolgreicher Menschen, sich – um Erfolg zu haben – hohe Ziele zu setzen. Auch wenn ich das prinzipiell nicht falsch finde1, sehe ich den Grund für Erfolge eindeutig an anderer Stelle, nämlich in Systemen. Je mehr ich darauf achte, desto mehr Bestätigung finde ich dafür.

Scott Adams (Autor der Dilbert Comics) beschreibt im Gespräch mit Tim Ferriss den Aspekt von „Goals vs. Systems“ besonders gut und geht in einem Blogartikel noch weiter darauf ein. Statt sich ein sehr konkretes Ziel zu setzen, empfiehlt er sich ein zum Ziel passendes System zu überlegen, das

  1. einen in Richtung des Ziels bringt und – jetzt kommt ein Knackpunkt –
  2. auch wenn man das Ziel zunächst nicht erreicht seinen Zustand schon deutlich verbessert.
  3. Anders als ein typischerweise starres Ziel, sollte das System dynamisch aufgesetzt sein, so dass es sich weiter entwickelt und immer bessere Resultate erzeugt.
  4. Ein System hat weiterhin den Vorteil, dass es die Methode zur Zielerreichung automatisch mit sich bringt und
  5. es frühzeitig Erfolge produziert, da jede Einhaltung des Systems als Erfolg gewertet werden kann und nicht nur die (einmalige und weit in der Zukunft liegende) Zielerreichung.

Im Podcast bringt Scott Adams ein humorvolles und einprägsames Beispiel, indem er den Unterschied zwischen sich selbst und einem Freund in jungen Jahren beim Umgang mit Frauen beschreibt. Natürlich hatten beide das Ziel, eine Partnerin zu finden. Scott wartete darauf, sich unsterblich in eine bestimmte Person zu verlieben, um dann – nach langen Qualen und Herzschmerzen – den Mut zusammenzunehmen sie anzusprechen. Das endete typischerweise mit einem gebrochenen Herzen, weil prompt dieses Mädchen entweder schon vergeben war oder schlicht kein Interesse an ihm hatte. Same old Story.

Sein Freund nutzte dagegen ein System. Auf Parties sprach er Mädchen der Reihe nach in absteigender Reihenfolge der Attraktivität an. Was auf den ersten Blick oberflächlich klingt ist ein erfolgsversprechendes System um (1.) Übung im Flirten zu bekommen, (2.) Erfahrungen mit unterschiedlichen Charakteren von Frauen zu sammeln, (3.) nicht selbst einschätzen zu müssen, ob ein Mädchen zu attraktiv für einen selbst ist und man überhaupt „Chancen hat“ und vor allem (4.) optimal vorbereitet zu sein (durch Übung), wenn man sich unsterblich in eines der Mädchen verliebt. Das System klingt auf den ersten Blick nicht romantisch aber um Fähigkeiten im Umgang mit dem anderen Geschlecht zu sammeln, erscheint es mir tatsächlich deutlich erfolgsversprechender als das “die Eine sonst keine“-Ziel. (Wobei ich mich ganz klar in die Kategorie von Scott zuordnen muss ;)).

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Bildquelle: stokpic via Pixabay


  1. Meines Erachtens traut sich der Großteil der Menschen zu wenig zu. Im Zweifel sollte man sich daher immer hohe Ziele setzen und dann nach einem Weg dahin suchen. 

Hormesis

2016-06-07 hormesis v01

Hormesis ist ein altbekanntes Konzept, dass kürzlich meine Einstellung zur Ernährung komplett auf den Kopf gestellt hat. Schon von Paracelsus wurde die Hypothese aufgestellt, dass schädliche Stoffe in kleinen Dosierungen eine positive Wirkung auf den Organismus haben können. Hormesis wird in letzter Zeit auch in Zusammenhang mit Sauna, kalt Duschen, Fasten (auch Intermittent Fasten), High Intensity Training und ähnlichen – auf den ersten Blick unangenehmen – Tätigkeiten genannt. Diese Betrachtungsweise ist auf Krafttraining übertragbar. Ein Workout führt zu einer Schwächung des Körpers und wenn man genau hinschaut zu einer leichten Verletzung der Muskeln1. Der Körper reagiert mit Superkompensation, er repariert also nicht nur die Muskelfasern sondern übertreibt ein wenig und baut damit für die Zukunft vor. Das erklärt, warum Muskeln wachsen und warum Erholungsphasen so wichtig für den Trainingserfolg sind.

Kürzlich haben Dr. Rhonda Patrick und Kevin Rose in einem Podcast über Hormesis gesprochen und als Beispiel Kälte, Hitze und Pflanzen herangezogen. Pflanzen schützen sich vor Fressfeinden mit einer Vielzahl von natürlich Abwehrstoffen in den Blättern, Blüten, etc. Diese wirken bei der Nahrungsaufnahme auch im Organismus des Menschen. Es ist also möglich, dass einige der guten Eigenschaften von Gemüse oder z.B. Tee nicht auf der Aufnahme von wohltuenden Stoffen, sondern auf der (moderaten) Aufnahme von herausfordernden Stoffen beruhen. Für mich würde das erklären, warum heutzutage Nahrungsmitteln aus aller Welt gesunde Eigenschaften zugesprochen werden, obwohl unsere Vorfahren unmöglich darauf Zugriff hatten – und trotzdem ein gesundes Leben führen konnten.

Für mich ist es schlüssig, dass z.B. Judo (mit Ursprung aus Japan) als Sport genauso gesund für mich sein kann wie Ringen (mit Ursprung in Europa). Es kommt auf die Herausforderung des Körpers und der Aktivierung der Superkompensation an und nicht auf die exakte Form der Bewegung. Gleichzeitig ist es logisch, dass ein Athlet der sich regelmäßig gut dosierter Belastung aussetzt, langfristig gesünder und widerstandsfähiger ist als jemand der Unwohlsein partout vermeidet.

Gleiches erscheint mir auch bei der Ernährung schlüssig, obwohl ich zuvor darüber noch nie so nachgedacht hatte. Für mich war Ernährung immer das Hinzufügen von gesunden Stoffen und nicht das Training mit herausfordernden Stoffen. Im Podcast wird Kukuma als Beispiel genannt, die streng genommen zwar eine schädliche Wirkung auf den Körper ausüben, damit aber sehr gesunde Effekte auslösen und daher unterm Strich als gesund eingestuft werden können.

Weitere Informationen: Dr. Rhonda Patrick ist eine Art wissenschaftlicher Ernährungs-Geek, die auf ihrer Website www.foundmyfitness.com viele Berichte zu Gesundheit und Fitness bereitstellt und die ich schon von einem Gespräch mit Tim Ferriss kannte.

Bildquelle: Julian Hanslmaier via Unsplash


  1. In den Muskeln entstehen durch stärkere Belastung kleine Haarrisse. 

Konsumieren oder Produzieren

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Ein Gedanke, der mich unter anderem zu diesem Blog animiert hat, ist der Unterschied zwischen Konsumieren und Produzieren. Es gibt Aktivitäten, bei denen man selbst in erster Linie Empfänger ist. Man profitiert von den Leistungen von Anderen. Man hört zu, man liest, man folgt. Man ist nicht Regisseur, sondern der Zuschauer. Nicht Gastgeber, sondern Gast. Nicht Sprecher, sondern Zuhörer. Konsumieren ist eine wichtige und schöne Sache, essentiell zum Lernen; doch je älter ich werde, desto wichtiger finde ich die richtige Dosierung zu beachten.

Die Magie liegt auf der Seite des Produzierens, des Erschaffens, der Kreativität. Etwas Schreiben, etwas Malen, jemandem Helfen, etwas Reparieren, etwas Aufschreiben und Weitergeben, etwas Hinzufügen. Hier erschafft man etwas Neues, gestaltet mit, erzeugt Werte. Auch als Konsument übt man Einfluss aus, doch in geringerem Maße. Man ist in der Rolle des Wählers und nicht des Politikers.

Diese Unterscheidung wende ich in letzter Zeit auf verschiedensten Aspekte an. Mir einen Saft im Supermarkt zu kaufen, zähle ich zum Konsumieren, mir einen Smoothie zu mixen eher zu produzieren. Ein Buch lesen, konsumieren. Mir Notizen machen und sie für andere zugänglich machen, produzieren. Diese Einteilung ist nicht eindeutig, nicht schwarz-weiß, sondern eher eine Übung für mich, wie groß der Eigenanteil, die Selbstbestimmung, die Einflussnahme bei einer Tätigkeit ist.

Ich glaube, der Anteil zwischen konsumieren und produzieren hat auch etwas mit Alter und Lebensphasen zu tun. Als Kind konsumiert man fast ausschließlich. Lernen, entwickeln, ausprobieren baut auf Erfahrungen und Werken der Eltern und anderen Personen auf. Auch in der Schule und in der Ausbildung wird dieser Schwerpunkt oft beibehalten. Es ist meist erst als junger Erwachsener, dass man mehr und mehr Werte schafft, sich kritisch mit dem Erlernten auseinandersetzt, darauf aufbaut und weiterführt. Oft zunächst im Beruf ,aber mehr und mehr auch in anderen Lebensbereichen.

So denke ich mittlerweile oft darüber nach, ob eine Handlung von mir eher auf der Konsumseite oder der Produktionsseite anzusiedeln ist. Ich probiere möglichst oft, auf der Seite des Produzieren zu sein. Das geht auch im Kleinen: man kann ein Produkt kaufen, sich daran erfreuen (konsumieren) und seine Erfahrungswerte an den Hersteller und an andere Interessenten, z.B. per Amazon-Bewertung, schicken (produzieren). Man kann in einem Restaurant guten Service genießen (konsumieren) und danach seine Kellner gegenüber dem Restaurant-Besitzer loben (produzieren).

Bildquelle: Eddy Klaus via Unsplash