Victor Saad’s Leap Year Project

2016-06-01 victor-saad-leap-year-project v01

Was macht man, wenn man sich die Studiengebühren für ein MBA-Studium nicht leisten kann? Man unterrichtet sich selbst! Victor Saad hat dies auf beeindruckend Art und Weise vorgemacht, indem er mit dem Leap Year Project sein eigenes MBA-Studium entwarf und umsetzte.

Im Zeitraum von 18 Monaten suchte er sich 12 einmonatige Praktikumsplätze. Sein klar formulierter Vorschlag an die Firmen: „I will come into your company for one month, identify any gaps in operation, and apply my skills to help you close those gaps“. Er nahm sein Selbststudium ernst, indem er sich klare Ziele setzte und seine Erfahrungen und Lerneffekte aufschrieb. Dies mündete in seinem Buch The Leap Year Project als Master Arbeit und einer Abschlussfeier im Rahmen eines TEDx Talk über sein Projekt.

Für mich ist das eine der inspirierendsten Geschichten, wie man sein Glück selbst in die Hand nehmen kann und mit frei verfügbaren Mitteln – und nicht zu vergessen Optimismus, Engagement und einer Strategie – Großartiges erreichen kann. Kein Wunder, dass seine Geschichte Wellen geschlagen hat, ihm die Gründung des Experience Institute (Ei) ermöglichte1 und ihm zum gefragten Fachmann für innovative Bildungskonzepte macht. Wie sympathisch und bodenständig er dabei geblieben ist, kann man gut in Victor’s Blog nachlesen. Chapeau!

Bildquelle: Cover vom Buch The Leap Year Project


  1. In Zusammenarbeit mit renommierten Bildungseinrichtungen, z.B. der d.school – Hasso Plattner Institute of Design der Stanford University. 

Brain Pickings

2016-05-29 brain-pickings v01

Wenn ich auf einer einsamen Insel nur Verbindung zu einer einzigen Internetseite herstellen könnte 😉 dann wäre es brainpickings.org. Allein durch diese Seite habe ich den Zugang zu Büchern gefunden.

Maria Popova schreibt darauf kurze Essayes über ausgewählte Aspekte von Büchern, Schriftstellern und Künstlern. Manchmal wird ein komplettes Buch vorgestellt, manchmal aber auch nur ein kleiner Bestandteil, manchmal auch schlicht ein witziges Detail. Die Artikel bestehen typischerweise aus Zitaten aus den jeweiligen Quellen, ergänzt um eine paar Gedanken von Maria. Geschmückt werden sie mit passenden Grafiken, die nicht zwangsläufig aus dem gleichen Buch stammen müssen.

Der Clou sind für mich die Querverweise auf vergangene Brainpickings-Artikel, die einem jederzeit mehr Lesestoff oder schlicht thematisch ähnliche Artikel geben. Eh man sich versieht fördert man so ein Juwel nach dem Anderen hervor und lernt ganz nebenbei etwas über die Werke, Gedanken und Lebensumstände großartiger Künstler. Maria Popova bezeichnet die Seite treffend als ihr „Labour of Love“ und das sieht man an unzähligen Aspekten immer wieder durchblicken.

Ein Highlight – und ein guter Einstieg – sind die am Ende des Jahres veröffentlichten Best-of-Artikel, wie z.B.

 

Gestalten Verlag

2016-04-20 gestalten-verlag v01

Der Gestalten Verlag ist eine dieser Firmen, die vieles richtig zu machen scheint. Ein Berliner Verlag, der herausragende Bücher zu Design und vielfältigen zeitgenössichen Themen herausbringt. Zwei Ladengeschäfte verkaufen neben den Büchern auch besondere Produkte, die gut einem Hipster-Blog wie blessthisstuff oder werd entsprungen sein könnten. Ideal, wenn man nach einem Geschenk (gerne auch für sich) sucht. Auch bei den Büchern sind viele Perlen dabei.

Zuerst wurde ich damals auf den Gestalten Space in der Sophienstraße aufmerksam. Direkt gegenüber vom Barcomi’s Deli, eines meiner favorisierten Frühstücksrestaurants, wies ein recht unscheinbares, gelbes Neonsign auf den Eingang hin. Beim Betreten, wusste ich nicht genau, ob ich in einer Galerie gelandet war. Doch die vielen Bücher an der Wand, die alle das Gestalten Logo trugen, gaben den entscheidenden Hinweis. Dieser Gestalten Space wurde anscheinend kürzlich geschlossen, so finde ich ihn nicht mehr auf der Website aufgeführt.

Später staunte ich nicht schlecht, bei der Eröffnung des Bikini Berlin am Zoo einen noch größeren Gestalten Pavilion mit Shop und Bistro vorzufinden. Noch mehr Produkte zum Schwärmen und Stöbern. Auch beim Bistro stimmen die Details (kein Wunder, wenn man die Fachliteratur passend zum Thema verlegt). Die Küche ist pfiffig mit Fliesen und hübschen Fenstern abgegrenzt. Eine gute Idee auch für die eigenen vier Wände. Ähnlich wie im Neni hat man vom Bistro einen herrlichen Blick in den Zoo. Ein Besuch lohnt.

Mehr über die Hintergründe zur Firma gibt es in diesem FAZ-Artikel über Gestalten.

Bildquelle: Gestalten Verlag

Kurt Vonnegut über Genug

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An mehreren Stellen bin ich über eine Anekdote von Kurt Vonnegut gestolpert, die er 2005 im The New Yorker veröffentlichte:

Joe Heller

True story, Word of Honor:
Joseph Heller, an important and funny writer
now dead,
and I were at a party given by a billionaire
on Shelter Island.

I said, „Joe, how does it make you feel
to know that our host only yesterday
may have made more money
than your novel ‚Catch-22‘
has earned in its entire history?“
And Joe said, „I’ve got something he can never have.“
And I said, „What on earth could that be, Joe?“
And Joe said, „The knowledge that I’ve got enough.“
Not bad! Rest in peace!“

—Kurt Vonnegut

The New Yorker, May 16th, 2005

Ein Gefühl dafür zu entwicklen, dass man „genug“ hat. Ein Zustand der – nach meinem Empfinden – schneller erreicht ist als die meisten es für möglich halten. Dieses Gefühl zu verinnerlichen und sein Leben entsprechend zu leben, ist eine seltene und wertvolle Fähigkeit.

Weiter Quellen zu diesem Text:

James Clear

2016-04-15 james-clear v01

In seinem Newsletter stellt James Clear verschiedene Konzepte und Ideen zur persönlichen Weiterentwicklung vor. Die Artikel finden sich zum nachlesen ebenfalls auf seinem Blog. Typisch für einen Blogger, schreibt er sehr persönlich und man erfährt nebenbei einige Details über sein Leben. Die Techniken die er vorstellt, wendet er glaubwürdig selbst auf sich und seine Aktivitäten an.

Am Beispiel seines Hobbys Gewichtheben, schreibt er regelmäßig über Sportdisziplin und Techniken, um motiviert zu bleiben. Seine wichtigste Regel: Never miss a workout. Auch Ernährung ist ein Thema. So habe ich durch ihn zuerst von Intermittent Fasting gehört. War ich zuvor davon überzeugt, dass Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages ist und regelmäßige Snack wichtig sind, sehe ich nun immer mehr Hinweise, dass auch andere Ernährungsrhythmen Sinn ergeben können. Sein Beginner’s Guide to Intermittent Fasting lohnt sich allein schon zur Horizonterweiterung.

Mit ihm verbinde ich wie mit keinem Zweiten das Prinzip der „Habits“ (=Gewohnheiten), auf das er in vielen Artikeln mit anschaulichen Beispielen eingeht. In seiner Zusammenfassung Transform Your Habits kann man das sehr ausführlich nachlesen. Für die Jahre 20132014 und 2015 veröffentlichte James ein persönliches Annual Review. Die Idee finde ich faszinierend und seine Umsetzung ist ein anschauliches Beispiel, wie so etwas aussehen könnte.

Hier eine Auswahl von Artikeln, die mir besonders positiv in Erinnerung geblieben sind:

  1. This Coach Improved Every Tiny Thing by 1 Percent and Here’s What Happened
  2. Why Trying to Be Perfect Won’t Help You Achieve Your Goals (And What Will)
  3. Treat Failure Like a Scientist
  4. Forget About Setting Goals. Focus on This Instead
  5. 6 Truths About Exercise That Nobody Wants to Believe

Bildquelle: James Clear Website

Goldhelm Schokolade

2016-04-14 goldhelm-schokolade v01

Wenn gute Produkte und gutes Marketing zusammen kommen, entstehen Firmen die begeistern. Goldhelm Schokolade ist so ein Fall. Zu Weihnachten bekam ich eine „Tafel“ aus Erfurt geschenkt. Schon die Form ist besonders, ähnelt sie doch eher einer gehärteten, auf einem Tablett ausgegossenen Schokoladenmasse. So hebt man sich ab von der Masse der Schokoladenfirmen.

Die Verpackung zeugt ebenfalls von Geschmack und Liebe zum Detail. Vom Papier, über die Form, bis hin zur Mini-Broschüre, die die Geschichte der Firma kurz zusammenfasst, alles ist stimmungs- und geschmackvoll präsentiert. Die Qualität und den Pfiff, der sich durch die ganze Firma zieht, kann man in diesem Video erahnen.

Wenn dann auch noch die Schokolade schmeckt – und wie sie das tut! – dann erzeugt das Begeisterung, die sich hier widerspiegelt. Ich habe bisher die Schokoladentafeln und ein Canache (Erklärung im Video) genossen. Bei der Nachbestellung lagen ein paar Brückentrüffel als Probe im Paket und die haben mich vollkommen begeistert. Ich werde öfter bestellen und Erfurt ist plötzlich eine Reise wert.

Bildquelle: Goldhelm Website

The School of Life

2016-04-10 the-school-of-life v01

Alain de Button hat in London eine Einrichtung ins Leben gerufen, die Wissen der besonderen Art vermittelt. Es geht um Fachbereiche des Lebens, mit denen jeder in Berührung kommt, oftmals ohne dabei eine explizite Form der Ausbildung genossen zu haben: Liebe, Glück, Erfüllung, Sex, Sorgen, Philosophie, etc. Die School of Life möchte zu diesen relevanten Themen Wissen vermitteln, Ideen und Anregungen geben, auf Quellen und Geschichte verweisen. Dabei wird Wissen auf möglichst moderne Art und Weise vermittelt. Als Einstieg kann ich den School of Life YouTube Channel empfehlen. Besonders gefallen mir dort die kurzen Videos zu einer Vielzahl von Philosophen, die kurz und anschaulich einen Überblick über die wichtigsten Aspekte der jeweiligen Person vermitteln.

Allain de Button fiel mir vor vielen Jahren durch seinen TED-Talk über Status Anxiety auf. Er probiert darin ein paar Ansätze zu geben, warum wir heutzutage zwar relativ einfach materielle Unabhängigkeit erreichen können, aber es trotzdem oft schwer fällt, weitgehend frei von Sorgen und Ängsten bzw. reinen Herzens glücklich zu sein. In Erinnerung geblieben ist mir z.B. der Punkt, dass in einer Gesellschaft, die prinzipiell davon ausgeht, dass jeder alles erreichen kann, implizit auch die Schuld auf jeden einzelnen fällt, wenn er nicht das erreicht, was er jeden Tag in den Medien sieht (zu den Reichen, Schönen, Erfolgreichen, etc.).

Später stieß ich auf sein Buch Religion for Atheists, das die Vorteile von Regeln und Ritualen verschiedener Religionen aufzeigt. Dabei steht nicht das Spirituelle, sondern der praktische Nutzen für das Leben der Menschen im Vordergrund der Betrachtung. So gibt es z.B. im Judentum den Feiertag Yom Kippur, an dem man aufgefordert ist, Menschen, denen man unrecht getan hat, zu kontaktieren und sich zu entschuldigen. Gleichzeitig werden die Empfänger einer solchen Geste aufgefordert, zu vergeben. Ein schönes Beispiel dafür, wie ein Bestandteil vieler Religionen die Anleitung für bewährte Lebensweisheiten ist.

Die School of Life hat in London seinen Hauptsitz. Bei einem meiner Besuche in England war ich dort und habe mir ein kleines Andenken gekauft. Kürzlich hat sogar ein School of Life Büro in Berlin eröffnet, dass ich mir bald mal ansehen werde.

Bildquelle: The School of Life Website

Peter Diamandis

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Peter Diamandis ist ein Experte für Zukunftsprognosen und die Rolle die technologischer Fortschritt dabei spielt.

Er hat für mich den Aspekt schlüssig belegt, dass eine Ressource die heute noch knapp ist – z.B. bestimmte Rohstoffe oder Energie, Nahrung, Zugang zu Bildung oder Kommunikation – durch technologischen Fortschritt innerhalb kürzester Zeit im Überfluss (englisch: „abundant“) verfügbar sein kann. Diverse Beispiele aus der Vergangenheit und ein Ausblick in die nahe Zukunft gibt er in seinem Buch Abundance: The Future Is Better Than You Think.

Technology is a resource-liberating mechanism. It can make the once scarce the now abundant.

Ich habe seinen wöchentlichen Newsletter abonniert (hier als Blog), der gespickt ist mit Know-How, Prognosen und Beispielen für Fortschritt in Schlüsseltechnologien (3D-Printing, Virtual Reality, etc.). Zudem kuriert er und sein Team den Abundance Insider eine Art Tech News Presseschau, in der Berichterstattung über solche Schlüsseltechnologien – zusammen mit einem guten Erklärungstext unter der Überschrift „Why this is important“ – kuriert wird.

Neben diversen Posten und Ämtern, die er innehält (Gründer X PRIZE Foundation, Planetary Resources, Human Longevity, Hypereloop, etc.), ist er Mitgründer der Singularity University, einer spannenden Bildungseinrichtung die Graduate- und Executive-Programme im Bereich exponentiell wachsender Technologien anbietet. Den Ansatz einer solchen Institution finde ich sehr inspirierend und ist widergespiegelt in einem Zitat aus seinem Buch:

The world doesn’t need another ultraspecialist-generating research university. We’ve got that covered. Places like MIT, Stanford, and the California Institute of Technology already do a fine job creating supergeniuses who can geek out in their nano-niche. What’s needed is a place where people can go to hear of the biggest and boldest ideas, those exponential possibilities that echo Archimedes: „Give me a lever long enough, and a place to stand, and I will move the world.“

Bildquelle: Steve Jurvetson via Flickr (Foto beschnitten)

Amanzi Tea

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Schon lange frage ich mich, ob der Erfolg von Starbucks als Archetyp des modernen Coffee Shops auch für Tee reproduzierbar wäre. Es kommt mir so vor, als ist die Verteilung von Tee- zu Café-Liebhabern in der Bevölkerung ungefähr ausgeglichen. Doch während man Coffee Shops an jeder Ecke sieht, sind „Tea Shops“ die Ausnahme. Sie existieren so, wie Cafés vor Coffee Shops existierten: sehr individuell und verteilt. Keine Kette liefert ein gleichbleibendes Produkt und Erlebnis auf gutem Niveau. Das könnte sich bald ändern.

Bei meinem letzten London-Besuch bin ich über Amanzi Tea gestolpert und war schlicht begeistert. Genau so könnte ein „Tea Shop“ funktionieren! Als wären die besten Ideen an einer Stelle zusammengekommen, wirkt das Konzept bis ins kleinste Detail durchdacht. Dabei stand ein moderner Coffee Shop Vorbild, allerdings wurde an den richtigen Stellen auf die Unterschiede zwischen Tee und Kaffee eingegangen.

Betritt man das Geschäft, erkennt man den Fokus auf Tee sofort. An der Wand stapeln sich Teebehälter bis zur Decke – wie man es von einem altmodischen Teeladen kennt – allerdings in moderner Umsetzung, hell und klar ohne Schnörkel. An einer Theke an der Seite laden kleine Behälter gefüllt mit losem Tee zum Anschauen und Schnuppern ein. Der Aufbau hilft bei der Einordnung der Tees in Gruppen (grüner Tee, schwarzer Tee, Kräutertee, etc.). Dabei fiel mir auf, wie schöne loser Tee aussieht, im Vergleich zu den Beuteln die man an vielen Stellen konsumiert.

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Das Teesortiment in Probierbehältern präsentiert

Den Machern ist es sogar gelungen, den Flair einer großen, silbernen Cappucinomaschine in angepasster Art und Weise auf Tee zu übertragen. Nach der Bestellung wird der lose Tee in einen trichterförmigen Teezubereiter gefüllt, mit heißem Wasser übergossen und auf einen von Innen beleuchteten Quader aus Milchglas gestellt. So wird der Tee fast wie in einem Fotostudio ausgeleuchtet während er zieht. Das Bild von mehreren verschiedenfarbigen Tees mit losen Blättern auf dem Quader sieht einfach schön aus. Der nächste Wow-Effekt folgt nach Ablauf der Brühzeit. Der (im Shop käuflich erhältliche) Teezubereiter wird auf eine massive Glastasse gedrückt und der Tee läuft durch eine Dichtung nach unten in das Glas. Mit der Beleuchtung von unten sieht das unglaublich schön aus.

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Die Theke und links der beleuchtete Quader

Es gibt viele Details (wie die Sprüche mit Tee-Wortwitz an vielen Stellen, der Verkauf von Teezubehör, etc.) die zum schönen Gesamtbild beitragen. Ebenfalls gut gemacht: Es gibt auch die leckeren, modernen „Teeschweinereien“ wie Macha-Latte, Chai-Latte ebenso wie das normale Kaffeesortiment (Latte, Cappucino, Espresso, etc.) so dass für jeden Gast etwas dabei sein müsste.

Wie man merkt bin ich begeistert von dem Konzept und der Umsetzung und drücke die Daumen, dass der Erfolg nicht auf sich warten lässt. Schaut doch mal vorbei, wenn Ihr in London seid.

Links:

Bildquelle: selbst fotografiert