Slow is Steady, Steady is Fast

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Wann immer ich große Fortschritte in meiner Entwicklung mache, erst recht im Bereich Fitness und Gesundheit, muss ich an diesen Satz denken. Er erinnert mich daran, dass in vielen Bereichen eine merkwürdige Grundregel gilt: Langsam = Schnell. Was auf den ersten Blick gegensätzlich oder gar falsch erscheint, wird durch den Zwischenschritt „stetig“ erklärt.

Gerade im Bereich Fitness-Sport starten viele mit dem Wunsch, schnelle Erfolge zu erzielen. Was dann passiert, beschreibt James Clear mit  passenden Worten: „Hard, Hard, Hurt“. Denn etwas Neues, etwas Ungewohntes schnell zu tun, endet in der Regel mit Verletzung und einer Zwangspause. Die Kette ist gebrochen und der Erfolg bleibt aus. Gibt man hingegen dem Körper Zeit, startet langsam und steigert vorsichtig, passt er sich an. Das Resultat ist „slow, slow, slow, never stop“. Innerhalb von Monaten und gerne auch Jahren kann man so massive Erfolge erreichen.

Dieses Muster sehe ich immer wieder auch in anderen Bereichen: etwas lernen, ein Hobby beginnen, ein Projekt starten, Urlaubsplanung, etc. Beginnt man etwas schnell und überschwänglich mit viel Kraft und Elan, fällt es schwer durchzuhalten. Zu viel Energie wird verbraucht, zu groß der Verzicht an anderer Stelle. Es ist wie laufen: je schneller man rennt, desto kürzer hält man das Tempo durch. Gehen und sich langsam steigern und lange durchhalten, bringt einen weiter.

(Ich konnte nicht mehr nachvollziehen, woher ich den Satz in dieser Form aufgeschnappt habe. Ich glaube er kommt aus der American Army. So wird er unter der Formulierung „Slow is smooth, smooth is fast“ von SealFit verwendet.)

Bildquelle: Cody Black via Unsplash

The Taste Gap

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Jeder Mensch der etwas selbst erstellt – ein Bild, ein Foto, ein Text, ein Essen, ein Arbeitsergebnis jeglicher Form – kennt das Gefühl der Enttäuschung. Man ist unzufrieden mit dem Ergebnis. Man hat ein Bild im Kopf oder vielleicht nur eine vage Vorstellung aber das was man erstellt hat, kommt da nicht ran. So vieles was man kennt ist deutlich besser. Man ist von sich und seiner Leistung enttäuscht.

Selbst wenn man dann von anderen Personen gelobt wird, selbst wenn diese mit dem Ergebnis zufrieden scheinen, bleibt das ungute Gefühl. Man hätte es sich so viel besser gewünscht. Man hat es nicht geschafft. Wäre man doch nur besser…

Das dieser Zustand normal ist, ja gar unvermeidbar (!) wenn man in einem Bereich gut werden möchte, beschreibt Ira Glass in einem Interview. Es wird unter dem Titel The Gap oder The Taste Gap weitererzählt.

Nobody tells people who are beginners — and I really wish somebody had told this to me — is that all of us who do creative work … we get into it because we have good taste. But it’s like there’s a gap, that for the first couple years that you’re making stuff, what you’re making isn’t so good, OK? It’s not that great. It’s really not that great. It’s trying to be good, it has ambition to be good, but it’s not quite that good. But your taste — the thing that got you into the game — your taste is still killer, and your taste is good enough that you can tell that what you’re making is kind of a disappointment to you, you know what I mean?

A lot of people never get past that phase. A lot of people at that point, they quit.

Die Lösung darauf, ist diesen Zustand zu akzeptieren und dran zu bleiben. Mehr erstellen, mehr machen, seinen Geschmack weiter ausprägen und üben, üben, üben. Das Ergebnis wird automatisch in besseren Ergebnissen resultieren und „The Taste Gap“ – die Diskrepanz zwischen eigenem Geschmack und dem eigenen Arbeitsergebnis – wird kleiner werden. Ob es je verschwinden wird – da habe ich meine Zweifel – aber man kann damit leben.

Den kompletten Text kann man in dem Artikel The Taste Gap auf Brainpickings nachlesen oder hören und sehen in diesem kreativen Kurzfilm-Kunstwerk:

Bildquelle: Daniel Sax aus THE GAP by Ira Glass

Hell Yeah or No

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When deciding whether to commit to something, if I feel anything less than, “Wow! That would be amazing! Absolutely! Hell yeah!” – then my answer is no.

Derek Sivers ist ein sympathischer Kerl, den ich das erste Mal auf der Bühne des World Domination Summit 2015 gesehen habe. Er war jüngst im Podcast mit Tim Ferriss und hat dort mal wieder seine Geschichte erzählt.

Einer seiner populärsten Blogartikel ist Hell Yeah or No, aus dem das obige Zitat stammt. Der Ansatz ist super und wie schwer die Umsetzung ist und dass es noch mehr zu beachten gibt, zeigt der Folgeartikel Saying no to everything else.

I started many times, but each time decided to chase some other distraction that didn’t put my ass on the line, instead. There are always more emails to answer, always more things to learn, and always more people with enticing requests for me to help them achieve their dreams. (Each one swearing it’ll be just an hour of my time, tops.)

Auch mir kommt es so vor, als lauerten an jeder Ecke Ablenkung, Zeitvertreib und gute Ideen, die darauf warten umgesetzt zu werden. Der Satz „Hell yeah! or no.“ ist eine schöne Daumenregel, die man bei der Entscheidung für oder gegen eine Aktivität mit einfließen lassen kann.

Bildquelle: Radoan_tanvir via Pixabay

Der Kaufmann Siddhartha

Das Buch Siddhartha von Herman Hesse ist ein schöner Roman, den ich zur Abwechslung im Original auf Deutsch lesen konnte. Die Geschichte spielt im fernen Indien und vermittelt zeitlose Gedanken zum Leben und der ewigen Suche nach dem Glück. Ein gelehrter Jüngling namens Siddhartha zieht aus von Zuhause auf der Suche nach Vollkommenheit und durchlebt dabei mehrere unterschiedliche Lebensabschnitte. Eine Zeit lang arbeitet er mit einem Kaufmann zusammen und ein paar Absätze davon sind mir besonders in Erinnerung geblieben.
Er sah bald, daß Siddhartha von Reis und Wolle, von Schiffahrt und Handel wenig verstand, daß aber seine Hand eine glückliche war, und daß Siddhartha ihn, den Kaufmann, übertraf an Ruhe und Gleichmut, und in der Kunst des Zuhörenkönnens und Eindringens in fremde Menschen.
So geht er durch seine untypische Vorausbildung die Dinge zunächst anders an als der Vollblut-Kaufmann.

»Dieser Brahmane«, sagte er zu einem Freunde, »ist kein richtiger Kaufmann und wird nie einer werden, nie ist seine Seele mit Leidenschaft bei den Geschäften. Aber er hat das Geheimnis jener Menschen, zu welchen der Erfolg von selber kommt, sei das nun ein angeborener guter Stern, sei es Zauber, sei es etwas, das er bei den Samanas gelernt hat. Immer scheint er mit den Geschäften nur zu spielen, nie gehen sie ganz in ihn ein, nie beherrschen sie ihn, nie fürchtet er Mißerfolg, nie bekümmert ihn ein Verlust.

Seine Art und Weise, nicht in erster Linie verbissen nach dem Geld zu streben hat viele Vorteile und erstaunlicherweise gelingen ihm Geschäfte sogar besser, als den klassischen Kaufläuten. Eine schöne Erinnerung daran, dass auch im Geschäftsleben Menschen zusammenarbeiten. Fast schon nebenbei hat sein Optimismus und Gleichmut noch andere Vorteile für ihn selbst.

Einmal reiste er in ein Dorf, um dort eine große Reisernte aufzukaufen. Als er ankam, war aber der Reis schon an einen andern Händler verkauft. Dennoch blieb Siddhartha manche Tage in jenem Dorf, bewirtete die Bauern, schenkte ihren Kindern Kupfermünzen, feierte eine Hochzeit mit und kam überaus zufrieden von der Reise zurück. Kamaswami machte ihm Vorwürfe, daß er nicht sogleich umgekehrt sei, daß er Zeit und Geld vergeudet habe. Siddhartha antwortete: »Laß das Schelten, lieber Freund! Noch nie ist mit Schelten etwas erreicht worden. Ist Verlust entstanden, so laß mich den Verlust tragen. Ich bin sehr zufrieden mit dieser Reise. Ich habe vielerlei Menschen kennengelernt, ein Brahmane ist mein Freund geworden, Kinder sind auf meinen Knien geritten, Bauern haben mir ihre Felder gezeigt, niemand hat mich für einen Händler gehalten.«

(…)

Sieh, Lieber, wenn ich Kamaswami gewesen wäre, so wäre ich sofort, als ich meinen Kauf vereitelt sah, voll Ärger und in Eile wieder zurückgereist, und Zeit und Geld wäre in der Tat verloren gewesen. So aber habe ich gute Tage gehabt, habe gelernt, habe Freude genossen, habe weder mich noch andere durch Ärger und durch Eilfertigkeit geschädigt. Und wenn ich jemals wieder dorthin komme, vielleicht um eine spätere Ernte zu kaufen, oder zu welchem Zweck es sei, so werden freundliche Menschen mich freundlich und heiter empfangen, und ich werde mich dafür loben, daß ich damals nicht Eile und Unmut gezeigt habe.

Schade nur, dass je länger Siddhartha im Geschäftsleben verbringt, er schrittweise immer stärker abstumpft und seine untypische Art verliert.

Sein Gesicht war noch immer klüger und geistiger als andre, aber es lachte selten, und nahm einen um den andern jene Züge an, die man im Gesicht reicher Leute so häufig findet, jene Züge der Unzufriedenheit, der Kränklichkeit, des Mißmutes, der Trägheit, der Lieblosigkeit. Langsam ergriff ihn die Seelenkrankheit der Reichen.

Insgesamt eine schöne Geschichte, mit einer guten Moral.